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Uetersener Nachrichten

23. August 2017 | 14:32 Uhr

Schiedsamt : Es gibt bei ihr nur Sieger

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Was genau macht eigentlich eine Schiedsperson? Wie arbeitet sie, und warum gibt es das Schiedswesen überhaupt? Diese Fragen stellte sich auch Uve Puck, Vorsitzender des Bundes der Ruhestandsbeamten, Rentner und Hinterbliebenen (BRH) in Uetersen, und lud mit Christiane Frese eine Uetersenerin ein, die es wissen muss. Christiane Frese nämlich ist Uetersens Schiedsfrau.

Dass man nicht so viel über das Schiedswesen wisse, liege mit daran, dass „wir im Verborgenen“ arbeiten, sagte sie im Parkhotel Rosarium. Dorthin war zum BRH-Kaffeenachmittag eingeladen worden. Man wolle schlichten, und dafür sei öffentliches Getöse nicht immer hilfreich. Es sei zuweilen ohnehin schwierig genug, zwei Parteien zueinander zu bringen, die sich als Nachbarn nicht mehr anschauten.

Denn genau beim Nachbarschaftsrecht setzt das Schiedswesen an. Wer sich dabei vor einem ordentlichen Gericht streiten will, muss zuvor den Weg zum Schiedsamt einschlagen, um dort zu versuchen, eine Einigkeit in Güte zu erzielen. Das Schiedswesen hat eine lange Geschichte und kam mit Napolen nach Deutschland.

Als nach dem Wiener Kongress 1814/15 die europäischen Territorien neu geordnet wurden, blieb in den linksrheinischen deutschen Gebieten das Institut des Friedensrichters bestehen, während daran anlehnend das Königreich Preußen (mit Ausnahme von Rheinpreußen) 1827 das Institut des Schiedsmanns einführte. Dessen Aufgabe war es, insbesondere bei Ehrverletzungen vor einem Gang zu den ordentlichen Gerichten einen Sühneversuch zwischen den streitenden Parteien zu unternehmen. Dem Beispiel Preußens folgten andere deutsche Länder, die Vergleichs- und Friedensrichter beriefen, so dass dieses Institut schließlich zunächst für private Beleidigungen als Vergleichsbehörde Eingang in die deutsche Strafprozessordnung von 1877 fand.

Christiane Frese erläuterte weitere geschichtliche Momente von Bedeutung und erklärte, dass das Schiedsamt in Uetersen früher täglich gearbeitet habe. Heute werde an jedem 1. und 3. Donnerstag eines jeden Monats in der Zeit von 15 bis 17 Uhr geschiedst. Oft gelinge es, die beiden Parteien zueinander zu führen und mit ihnen eine schriftliche Einigung zu treffen. Doch manchmal sei alle Schiedskunst vergebens, dann geht’s zum Gericht.

Wobei es dort nicht selten einen Sieger und einen Verlierer gibt, das Schiedsamt kenne nur den Ausgleich, sagte sie. Also nur Sieger.

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erstellt am 12.Feb.2015 | 19:04 Uhr

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