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Uetersener Nachrichten

24. August 2017 | 01:32 Uhr

ToAll-Abend : Erschreckend aktuell

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Quasi zum Abschluss des Jahres seines 20-jährigen Bestehens wartete der Kulturverein Tornescher Allerlei (ToAll) noch einmal mit einem richtigen „Knaller“ auf und präsentierte mit dem Hamburger „Bittersüß-Ensemble“ die erschreckend aktuelle „Dreigroschenoper“ von Bert Brecht und Kurt Weill.

Das Bittersüß-Ensemble, das sich das Hamburger Urgesteins-Schauspieler-Ehepaar Bernhard und Gunda Weber seit fünf Jahren um sich geschart hat, um das sozialkritische und gesellschaftspolitische Theaterstück mit Musik von Brecht und Weill – Uraufführung 1928 in Berlin – mit kleiner Besetzung zu spielen, zeigte in vielen Bereichen großes Engagement. Im bis auf den letzten Platz ausverkauften „POMM 91“ bezog es das Publikum immer wieder mit ein, schreckte es mit der Vergleichbarkeit der Aktualität von 1928 und 2011 auf. 1928, ein Jahr vor der Weltwirtschaftskrise und dem „Schwarzen Freitag“ herrschten unsichere Verhältnisse, nur die Wohlhabenden amüsierten sich in den „Goldenen Zwanzigern“, die „im Dunkeln sieht man nicht“.

Brecht keilt in seinen Moritaten gegen Banken und Herrschende und stellt für das Volk und deren politische Vertreter fest: „Erst kommt das Fressen und dann die Moral“. Dabei war Brecht auch später in der DDR nie ein Parteibuch-Kommunist. So notierte er 1953 beim später niedergeschlagenen Aufstand in seinem Tagebuch vorausschauend: „Dann muss sich die Regierung eben ein anderes Volk suchen.“ Trotzdem setzten die Theater zum Beispiel in Hamburg aus Anlass des Mauerbaus seine Stücke vom Spielplan ab. Bei allem Wirbel, die es um die Brechtschen Stücke in den vielen Jahren gegeben hat, erstaunte es die Zuhörer im POMM 91 doch, wie viele Parallelen es zu damals und heute noch gibt.“ Aus Geschichte wird leider nicht gelernt“ sagte die Uetersenerin Brigitte Brennecke, die wieder einmal im ToAll-Publikum saß. Ein überragender Ralf Hutter mimte den Verbrecher Mackie Messer mit Schirm, Charme und Melone, den aalglatten Polizisten Brown und angeblichen Freund des kriminellen Mackies der elegante Markus Sellmann, seine derbe Tochter Lucy eine kraftvoll aufspielende Anna Marie Schlemmer und in der Doppelrolle der Polly und der noch besseren Seeräuber-Jenny Suntje Freier.

Als besonders musikalisches Talent glänzte Matthias Weber als Moritatensänger, reitender Bote und Münzmatthias und als Gitarrist neben seinen ausgesprochen routiniert wirkenden Eltern als Ehepaar Peachum.

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erstellt am 08.Nov.2011 | 21:03 Uhr

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