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Aufarbeitung : Erinnerungen an eine dunkle Zeit

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

„Es hat so viele neue Erkenntnisse und Querverbindungen gegeben“, stellte Hauke Heidecke am Ende fest, „dass ich sagen kann, es hat sich gelohnt.“ Er hatte zusammen mit Uwe Mahnke zu einem Gesprächskreis in das Haus des Kulturforums geladen, Thema „Moorrege im Driten Reich“. Denn über die Zeit zwischen 1933 und 1945 in dem Geestdorf ist wenig bekannt und die beiden Hobby-Historiker wollen mehr Licht in das Dunkel bringen.

Sie stellten am Anfang einen Teil ihrer bisherigen Recherchen vor. So hat Mahnke zum Thema Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene gearbeitet. Über Kontakt zur Geschichtswerkstatt Uetersen, die beim „International Tracing Services“ (ITS), dem Nachfolger des DRK-Suchdienstes, recherchierte, stieß er auf die Russin Maria Kuschmiruk, die mit 22 Jahren und hochschwanger verschleppt wurde. Am 25. April 1944, das belegen Krankenhausakten aus Uetersen, wurde ihr Sohn Wladimir entbunden, der einen Monat später an „Lebensschwäche“, so die Unterlagen starb.

Mit Hans Böttcher war ein Zeitzeuge anwesend, der sich noch an Maria Kuschmiruk, ihren Mann und das Baby erinnern konnte. Er gab den Tipp, sich mit einer Moorrgerin in Verbindung zu setzen, die sich damals viel mit der Russin unterhalten hatte.

Drei Zwangsarbeiterlager gab es in Moorrege, so Mahnke mit Hinweis auf die Initiative „Spurensuche im Kreis Pinneberg“. 177 Arbeiter waren dort untergebracht, die in bis zu 30 Betrieben arbeiteten. Erschwert wird die Recherche durch möglicherweise lückenhafte Aufzeichnungen. Außerdem wurden Zwangsarbeiter in Moorrege untergebracht, waren aber in Uetersen tätig und umgekehrt.

Wertvolle Informationen hat Heidecke in Gesprächen mit dem vor kurzem verstorbenen Werner Suhl gewonnen. Mehr als 20 Mal schaute er bei dem 1930 geborenen vorbei. Suhl erinnerte sich an die Schulzeit, den Absturz einer zweimotorigen Dornier, die vom Fliegerhorst Uetersen kam (damals war von Sabotage die Rede, heute muss man wohl von vereisten Tragflächen ausgehen) und die Opfer des Luftangriffs auf Wedel am 3. März 1943. Ein schrecklicher Anblick für den damals 13-Jährigen. Auf elf Seiten hat Heidecke die Erinnerungen zusammengefasst.

Die beiden Hobby-Historiker möchten nun Zeitzeugen ansprechen und hoffen, von ihnen mehr zu erfahren. „Wir wollen niemanden an den Pranger stellen, auch nicht deren Nachkommen“, stellt Mahnke klar. Viele Menschen seien freiwillig oder unter Zwang zu Mitläufern geworden. „Wir können nicht garantieren, dass es uns nicht ähnlich ergangen wäre“, sagt er.

Wer mit den Beiden Kontakt aufnehmen will, ruft Uwe Mahnke unter Telefon 04122/83000 oder Hauke Heidecke unter 04122/83380 an.

www.spurensuche-kreis-pinneberg.de

Recherchen zusammenfassen

Wie sie die Informationen über Moorrege im Dritten Reich verarbeiten wollen, sind Uwe Mahnke und Hauke Heidecke von einem Gast des Gesprächskreises gefragt worden. Eine „Chronik II“ werde es sicher nicht geben, stellte Mahnke fest. Die gemeindliche Chronik, die von Michael Plata erarbeitet wurde, ist Grundlage ihrer Arbeit. Zusammengefasst werden sollen die Recherchen. „In welcher Form, das müssen wir dann sehen“, sagte Heidecke.

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erstellt am 30.Jan.2014 | 20:12 Uhr

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