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Christina Haacke : Erinnerung und Trauer zulassen

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Wer in diesen Tagen bei Radio ffn „immer um halb“ die Nachrichten verfolgt, hat die Chance, die Stimme von Christina Haacke zu hören. Die Wahltornescherin ist dort mehrmals im Monat als Nachrichtenredakteurin und Sprecherin tätig. Dann ist Töchterchen Luise in der Obhut der Schwiegereltern Haacke und des Ehemannes Christian. Junge NDR-Hörer werden ihn kennen: Er gehört zu den N-Joy-Moderatoren. Erste journalistische Erfahrungen sammelte er übrigens vor 17 Jahren als Gymnasiast und freier Mitarbeiter bei den Uetersener Nachrichten.

Christina Haacke, 1978 in Bremen geboren, hat Fachjournalistik studiert und für verschiedene private und öffentlich-rechtliche Radiosender gearbeitet. Unter anderem in Berlin. Und dort schrieb sie ihren ersten Roman „Payoff“, eine unterhaltsame Satire über die knallharte Welt des Radios. Erschienen ist „Payoff“ 2011 im Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf. Nun hat die 36-Jährige in Zusammenarbeit mit diesem Berliner Verlag wieder ein Buch herausgebracht: „Der Koffer meiner Mutter“. Es ist ein Buch über Liebe, Freundschaft, Familie, Hilflosigkeit, Mut und Zusammenhalt. Christine Haacke erzählt die Geschichte der 30-jährigen Elli, die auf dem Dachboden einen alten Koffer findet und weiß, dass, wenn sie den Koffer öffnet, nichts mehr so sein wird, wie es war. Denn die Erinnerungen kommen zurück an die Zeit, als Elli 17 Jahre alt war: Jung, verliebt und glücklich und sich doch das Leben innerhalb eines Jahres vollkommen verändert, denn Ellis Mutter stirbt an Krebs. Es ist der Koffer ihrer Mutter und Elli beschließt, ihn auszupacken und sich den Erinnerungen zu stellen.

Mit „Der Koffer meiner Mutter“ hat Christina Haacke einen sehr persönlichen Roman geschrieben. Denn als sie elf Jahre alt war, erkrankte ihre Mutter an Krebs und starb acht Jahre später. Doch die Geschichte ist vollkommen fiktiv, nur verwoben mit persönlichen Erfahrungen der Autorin wie Sprachlosigkeit, Einsamkeit, Hilflosigkeit und dem Verdrängen von Wut und Trauer.

„Als ich vor zwei Jahren Mutter wurde, kamen viele Erinnerungen an meine Mutter hoch und viele Gefühle, die ich jahrelang verdrängt hatte. Sehnsucht, Liebe und Trauer waren wieder da, aber auch das Bewusstsein, dass ich noch viel verarbeiten muss“, erzählt die Autorin. Und so habe sie den Mut gefasst, sich dem Thema zu widmen. Lange habe sie der Familie nichts davon erzählt. Ich habe meist nachts geschrieben, alle meine Gedanken dazu und ich wusste nicht, ob daraus ein Buch wird“, so Christina Haacke. Das Schreiben sei befreiend für sie gewesen und ihre Protagonistin Elli fühle und leide so wie sie damals, als ihre Mutter starb.

In der Geschichte findet und öffnet Elli den Koffer ihrer Mutter. Christina Haacke hat ihn als Methapher eingesetzt für unverarbeitete Dinge im Leben, für Dinge, die man „wegpackt“, die aber darauf warten, „ausgepackt“ zu werden. Ihr persönlich sei es gelungen, den „Koffer auszupacken“ und sie hofft, dass ihr Roman Mut macht, über Leid, Krankheit und Tod zu sprechen und Gefühle zuzulassen.

Das Schreiben hat die Wahltornescherin, die als Jugendliche rhythmische Sportgymnastik in Bremen trainierte und mehrmals im Jahr als Bundeskampfrichterin eingesetzt wird, nun gepackt. „Der Koffer meiner Mutter“ soll nicht ihr letztes Werk gewesen sein. Sie freut sich nun darauf, es bei Lesungen in der Region vorstellen zu dürfen und darauf, bald mit Mann und Töchterchen in ein eigenes Haus in „Tornesch am See“ zu ziehen.

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erstellt am 25.Aug.2014 | 21:50 Uhr

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