Gedenken in Wedel : Erinnerung an das Strafbatallion 999

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Rund 2000 Männer wurden in den letzten Jahren des Zweiten Weltkrieges vom damaligen Hannoverschen Bahnhof in Hamburg als sogenanntes Strafbatallion 999 als Kanonenfutter in nahezu aussichtslose Schlachten geschickt. „Wehrunwürdige“, zu denen die Gegner des Nazi-Regimes, die bereits in Zuchthäusern und Konzentrationslagern gelitten hatten, zum allergrößten Teil dazu gehörten.

shz.de von
29. Januar 2015, 18:21 Uhr

An diese Menschen, die heute fast vergessen und auch nicht als Deportierte anerkannt werden und wurden, wollten der Arbeitskreis der Stadt Wedel gegen Rechtsradikalismus und Ausländerfeindlichkeit und die Ortsgruppe Wedel der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) erinnern und hatte dazu in die Stadtbücherei eingeladen.

Anna Haentjens widmete sich mit einer kleinen nachdenklichen musikalischen Revue, begleitet vom Pianisten Ulrich Stolpmann, der Kriegs- und Nazi-Zeit und dem Wedeler „Wiko“ Willi Konsorski, einem ehemaligen 999er, den sie in den siebziger Jahren in Wedel kennenlernte und dessen ihr überlassenes Erbe, ein paar liebevoll in Goldpapier eingeschlagene Taschenbücher sie heute noch behütet.

Die Hamburger Autorin Ursula Suhling berichtete eindrucksvoll vom Schicksal ihres Vaters, der in Hamburg Widerstandskämpfer war und letztendlich auf dem Rückweg vom Himmelfahrtskommando der „Strafsoldaten“ nie wieder zurückkehrte.

Günther Wilke erzählte vom Wedeler Herbert Maywald, der als Kommunist ins Zuchthaus und in Konzentrationslager geschickt wurde, schließlich bei der Partisanenbekämpfung der 999er in Griechenland zum „Feind“ überlaufen konnte. Im Internierungslager in Ägypten bildete er sich in einer von den Gefangenen gegründeten „Wüstenuniversität“ fort und arbeitete später in der Verwaltung der Stadt Wedel. Ihm wurde seine Rentenzeit, die er bei den 999ern zwangsweise verbracht hatte, bei der Berechnung im Gegensatz zu allen anderen, selbst den Nazi-Schergen, nicht anerkannt. Das perfide System der Nazi-Ideologen war somit bis heute aufgegangen: Die Widerstandskämpfer sollten die Zeit nicht „sicher“ in einem Zuchthaus oder KZ verbringen, sondern als Kriminelle Ehre und möglichst auch ihr Leben verlieren. Die Gäste der eindrucksvollen Veranstaltung verabschiedeten eine Resolution, in der sie forderten, dass die 999er posthum als Deportierte anerkannt werden und auf Mahntafeln und in Informationszentren mit Juden, Sinti und Roma erwähnt werden, um auf ihr Schicksal aufmerksam zu machen.

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