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Mozart-Requiem : Erhaben, dramatisch, strahlend

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Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Requiem heißt Ruhe, und die ist oft schwer zu finden. Der letzten Ruhe kann ein verzweifelter Kampf um den Seelenfrieden vorausgehen.

Das Requiem von Wolfgang Amadeus Mozart erfüllte die Uetersener Klosterkirche am Sonntagabend mit anfangs düsteren, dann dramatischen und strahlenden Klängen. Ein hoher Kunstgenuss. Fast alle 500 Plätze im Kirchenschiff und auf der Empore waren besetzt. Sehr aufmerksam verfolgten die Zuhörer das rund einstündige Konzert. Kirchenmusiker Eberhard Kneifel dirigierte die 62-köpfige Kantorei Uetersen. Als Solisten traten Bettina Pahn (Sopran), Nicole Dellabona (Alt), Michael Connaire (Tenor) und Konstantin Heintel (Bass) auf. Die 20 Musiker des Hamburger Barockorchesters Elbipolis begleiteten sie.

Durch den traditionellen kirchlichen Text zieht sich die Angst eines Menschen vor der Strafe Gottes nach dem Tod. Er fleht um Gnade und bittet am Ende um ewige Ruhe für die Toten. Groß und mächtig klingt dieser Kampf bei Mozart, beeindruckend und gewaltig. Einige strahlende Bläsersätze wirken dabei wie ein Vorgriff auf die Weihnachtszeit, in der für die Christen die Erlösung beginnt.

So also empfand ein 35 Jahre junges Genie vor mehr als zwei Jahrhunderten kurz vor seinem eigenen Tod das innere Ringen des Menschen auf dem Sterbebett: gewaltig. Bei allem Kunstgenuss blieb am Ende des Konzerts auch der Eindruck, dass Mozart in einer ganz anderen Welt lebte als wir, in einer Welt, in der auch das Drama des Todes noch in einen heilen orchestralen Klang eingebettet werden kann.

Wie muss sich der Weg zur Totenruhe wohl heute im Zeitalter einer Hospiz-Kultur und der Debatte um Sterbehilfe anhören? Sicherlich ehrfürchtig, aber sanfter. Und was kann angesichts der tückischen Ebola-Krankheit und medial inszenierter Enthauptungen durch IS-Terroristen noch klingen? Zerbrochenheit. Damit blieb der Zuhörer allein.

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erstellt am 17.Nov.2014 | 21:16 Uhr

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