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Verkehrszählung : Ergebnis ein Irrtum oder Absicht?

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Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Die Vertreter der Interessengemeinschaften Lindenweg (IGeL) und Südtangente fordern gemeinsam die Politiker auf, endlich einen Auftrag für die Ausarbeitung eines Generalverkehrsplanes zu erteilen und sich nicht von den Ergebnissen der mit dem stadteigenen Messgerät erfolgten Verkehrszählung am Lindenweg blenden zu lassen.

shz.de von
erstellt am 02.Dez.2011 | 21:53 Uhr

„Wir stellen erneut mit Erstaunen fest, dass die Stadtverwaltung und Bürgermeister Roland Krügel politische Beschlüsse nicht fachgerecht umsetzen und so falsche oder nicht schlüssige Arbeitsergebnisse in die Öffentlichkeit getragen werden“, betonen Jens Kampe (IGeL) und Michael Krüger (IG Südtangente). Sie sprechen von einer „laienhaft“ durchgeführten Verkehrszählung der Stadt am Lindenweg und fragen sich, „sollen die Bürger und Politiker getäuscht werden?“. Denn die Verkehrszählungen der Büros Schubert (2010/2011) und Pyöry (2006) weisen im Durchschnitt 2950 Kfz am Tag im Lindenweg aus, die Stadt ist mit ihrer eigenen Verkehrszählung nur auf 2200 Kfz am Tag gekommen. Die Vertreter der Interessengemeinschaften werfen der Verwaltung vor, im Zeitraum 30. August bis 5. Oktober nicht wie allgemein üblich nur an Werktagen in bestimmten Zeitintervallen die Verkehrsbelastung gemessen und dann einen Durchschnittswert gebildet zu haben, sondern auch an Wochenenden, einem Feiertag sowie zwei Tagen mit Straßensperrungen. „Dadurch können die Zählergebnisse der Stadt bis zu 55 Prozent von den professionell durchgeführten Zählungen abweichen. Wie sollte man das bezeichnen – als Irrtum, Versehen, Bürofehler oder Absicht?“, fragen die IGeL- und IG Südtangente-Vertreter. Sie fordern die Politiker auf, die die von der Verwaltung vorgelegten Verkehrszahlen für den Lindenweg auf den Prüfstand zu stellen und einen unabhängigen Gesamtverkehrsplan für Tornesch, und zwar noch vor der Umsetzung sämtlicher Bebauungspläne, erstellen zu lassen.

„Auch vor der Gefahr, dass die Aussagen eines Generalverkehrsplanes nicht in allen Aussagen für uns passend sein könnten, fordern wir die Politik auf, endlich einen Auftrag dafür zu erteilen“, so Jürgen Körner und Michael Krüger von der IG Südtangente. Sie und Jens Kampe sowie Andreas Lassen (IGeL) werfen die Frage auf, ob die Verwaltung die „Wahrheit eines Generalverkehrsplanes“ scheut und es sich bei der bereits erfolgten „unqualifizierten“ Ausschreibung für einen Generalverkehrsplan um „Unfähigkeit oder Absicht“ handelt. Denn im Ergebnis der Ausschreibung hatten drei Fachbüros so unterschiedliche Angebote abgegeben, dass die Politiker letztlich kein Büro auswählten und einen Auftrag erteilten.

Für die Vertreter der Interessengemeinschaften ist klar: Die Eigenzählung der Stadt kann für eine Entscheidungsfindung nicht herangezogen werden. Sie vertrauen den Zahlen von Pöyry und Schubert und deren Hochrechnungen, dass nach Fertigstellung der Baugebiete, des Sportzentrums und der K22 täglich 4800 Fahrzeuge den Lindenweg passieren würden. „Das ist für eine schmale Anliegerstraße mit Alleecharakter Wahnsinn“, so Jens Kampe.

Stimmen der Politik zur Verkehrszählung am Lindenweg und der HochrechnungIn der Sitzung des Bauausschusses am 9. November hatten die Politiker die Ergebnisse der Verkehrszählung der Stadt am Lindenweg zur Kenntnis genommen. Allein die Vertreter der Grünen und der FDP wiesen darauf hin, dass in den drei Intervallen der Zählung (30. August bis 5. September; 9. bis 20. September sowie 21. September bis 5. Oktober) fünf Wochenenden und ein Feiertag enthalten sind. „Erfahrungsgemäß ist an den Werktagen im Lindenweg viel Verkehr. Die Gutachten von Schubert und Pöyry ermitteln 2900 Fahrzeuge am Tag, die Stadt 2500. Ich habe ein Problem mit dem Auswertungsergebnis der Stadt“, machte Gerd Nellissen (Grüne) den Unterschied deutlich. Das eine sei gerechnet, das andere gezählt, wiegelte Bürgermeister Roland Krügel ab. Auf den Fakt, dass das Verkehrsaufkommen in jedem Fall so hoch sei, dass eine Lösung nicht nur für den Lindenweg gefunden werden müsse, da die Ahrenloher Straße schon jetzt „überlaufe“, die CDU aber erst B-Pläne umsetzen und dann sehen will, wie sich die Verkehrsströme verteilen, wies Karlheinz Böhmke (FDP) hin. „Wir hatten den Antrag gestellt, dass auch die Stadt noch einmal mit dem stadteigenen Messgerät das Verkehrsaufkommen ermittelt, nehmen die Zahlen nun zur Kenntnis und werden in der Fraktion beraten, wie wir weiter verfahren“, antwortete CDU-Fraktionsvorsitzender Christopher Radon. Doch nicht nur die vorgestellten Verkehrszählergebnisse der Stadt stießen auf die Kritik von Gerd Nellissen. Er merkte an, dass Details (Tagesgangslinien) der Verkehrszählung des Büros Schubert vom August 2011 nicht mehr in der PDF-Sitzungsvorlage für den Bauausschuss vom 5. September im Sitzungs- und Ratsinformationssystem der Stadt zu finden seien. „Ist da was gelöscht worden. Immer stoßen wir darauf, dass erst vorhandene Seiten später nicht mehr unter Allris zu finden sind. Man könnte auf den Gedanken kommen, dass dies kein Zufall, sondern Methode ist“, so der Grünen-Politiker.

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