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Uetersener Nachrichten

22. Oktober 2017 | 18:15 Uhr

Geflüchtet : Er integriert sich nach Kräften

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Ali Fanni trägt schwer an dem Kreuz-Tattoo auf seinem Brustbein. Zwischen den ausgeprägt gewölbten Muskeln des Bodybuilders ist es zwar kaum zu sehen. Doch den Behörden seines Heimatlandes Iran ist das christliche Symbol ein Dorn im Auge.

shz.de von
erstellt am 04.Jan.2016 | 17:55 Uhr

Der 33-Jährige verlor wegen des Tattoos seine Existenzgrundlage, sodass er nach Deutschland floh. Doch sein Sportsgeist ist ungebrochen. Bereits drei Monate nach seiner Ankunft in Uetersen feierte er bei dem zweiten Internationalen Niedersachsen-Cup des Deutschen Bodybuilding und Fitness-Verbands (DBFV) im November in Seevetal-Hittfeld einen Erfolg. Von den 19 Teilnehmern des Olympic Fitness- und Bodybuilding-Clubs im Hamburger Stadtteil St.-Georg war er als einziger Flüchtling angetreten. In der Klasse Männer-Physique III belegte er Platz 6. Claus Maibaum, Chef des Studios und Vorsitzender des Hamburger Fitness- und Bodybuilding-Verbands, traut ihm noch mehr zu: „Seine Muskelqualität ist sehr gut, aber das war nicht seine Klasse.“ Ali Fanni sollte künftig eher bei den Men-Classics antreten.

Ali Fanni hatte sich das Tattoo vor etwa zehn Jahren im Iran stechen lassen. Etwa zu derselben Zeit ritzte er sich ein weiteres Kreuz in den linken Brustmuskel. Aber nachdem er bei Bodybuilding-Wettbewerben in der Kategorie BodyClassic aufgetreten war, fing der islamische Staat an, seine Muskeln zu spielen zu lassen.

Ali Fanni lebte damals in Teheran und arbeitete in der Nachbarstadt Karaj als Trainer in einem Fitness-Studio. Es stand unter staatlicher Aufsicht. „Sie kündigten mir, weil ich immer mit nacktem Oberkörper arbeitete und jeder das Kreuz sehen konnte“, berichtete er. Zweimal schickten die Behörden ihn zu Laser-Operationen, damit er das Tattoo auslöschen ließ. Doch die Konturen blieben sichtbar. Das geritzte Kreuz nahm der Staat als Narbe hin.

Die Kündigung traf Ali Fanni hart. „Das ist mein Job, ohne den ich nicht leben kann“, sagte er. Zudem durfte er nicht mehr bei Wettbewerben auftreten. Ali Fanni war sehr erfolgreich gewesen. Bei vier BodyClassic-Stadtmeisterschaften mit Teilnehmern aus dem gesamten Land hatte er in der Klasse bis 70 Kilogramm Preise gewonnen. Einmal belegte er den ersten Platz, zweimal gelangte er auf Rang 2.

Ali Fanni ist sich sicher: Hätte der Staat gewusst, dass er seinen christlichen Glauben auch praktizierte, hätte man ihn verhaftet. Um dem Gefängnis zu entgehen, floh er über die Türkei nach Deutschland und landete in Uetersen. Sein Ziel: Er will wieder als Trainer arbeiten und seinen Glauben leben.

Studio-Chef: Flüchtlinge verhalten sich sehr ordentlich

Bisher trainieren nur drei oder vier Flüchtlinge in dem Olympic Fitness- und Bodybuilding-Club von Claus Maibaum in Hamburg-St.-Georg. Er berichtete aber, dass der Anteil von Menschen aus anderen Nationalitäten während der vergangenen Jahre zugenommen habe. Unabhängig von der Herkunft suche er sich aus, wer ins Studio passt. Die Flüchtlinge, die bei ihm trainieren, verhielten sich sehr ordentlich und hätten sich gut eingelebt. „Das liegt an den Leuten, ob sie sich integrieren wollen“, sagte Maibaum. Auch Ali Fanni sei sehr nett und freundlich aufgetreten. Er habe es aber bisher als einziger der Flüchtlinge geschafft, an einem internationalen Wettbewerb teilzunehmen.

Freunde bei den Bodybuildern und in der Christuskirche

Der christliche Glaube ist für Ali Fanni nicht weniger wichtig als der Sport. Unter den Bodybuildern habe er bereits viele Freunde gefunden, aber auch in der Christuskirche Uetersen. Regelmäßig besucht er sonntags die Gottesdienste und hört die Predigten mittels einer Übersetzung. Im Iran waren er und seine Mutter für eine lange Zeit Christen. Aber er ist froh, nun in Deutschland zu leben. „Ich kann hier meinen Job und meinen Sport treiben, ohne ständig Fragen ausgesetzt zu sein“, sagte er. Seinen Glauben könne er nun leben, ohne Nachteile in Kauf zu nehmen. Die Kreuze auf seiner Brust wurden ihm im Iran zum Verhängnis. In Deutschland sind sie sein Aushängeschild.

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