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Schlichtwohnungen : Enttäuscht und vor den Kopf gestoßen

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

„Ich bin enttäuscht und fühle mich wie vor den Kopf gestoßen“, sagt Ingo Reß. Der Moorreger, der stundenweise für den örtlichen Bauhof arbeitet und seit vier Jahren in einer der Schlichtwohnungen am Münsterweg lebt, erhielt vom Amt Moorrege die schriftliche Aufforderung, sich eine neue Bleibe zu suchen. Sein bisheriges Zuhause soll abgerissen werden und mobilen Flüchtlingsunterkünften weichen.

Dass das Grundstück anderweitig genutzt werden soll, kann der Moorreger akzeptieren. Warum ihm die Nachricht vom Abriss auf dem kühlen behördlichen Wege übermittelt werden musste, versteht er nicht. „Die kennen mich doch gut. Sie hätten doch mit mir sprechen können“, wundert sich der 46-Jährige.

Wörtlich heißt es in dem Schreiben: „Auf der Gemeindevertretersitzung der Gemeinde Moorrege wurde (…) über die Errichtung von drei mobilen Wohnheimen zur Unterbringung von Flüchtlingen beraten. Die Gemeindevertretung beschloss, die mobilen Wohnheime im Bereich Münsterweg 60-66 zu errichten. Aufgrund dessen müssen die Gebäude Münsterweg 60-66 abgerissen werden. Ich möchte Sie dazu auffordern, sich kurzfristig um eine anderweitige Wohnmöglichkeit umzusehen. Sollte Ihrerseits keine kurzfristige Anmietung auf dem freien Wohnungsmarkt möglich sein, müssen Sie von mir in eine andere Unterkunft umgesetzt werden.“ Die Worte „kurzfristig“ sind jeweils gefettet und unterstrichen.

Wie Ingo Reß geht es auch seinem Nachbarn David Antonio Nogueira-Gomes. Der Portugiese, der seit kurzem Witwer ist und gesundheitliche Probleme hat, fühlt sich entwurzelt. Auf dem freien Wohnungsmarkt hat der Hilfsarbeiter keine Chance. Zusammen mit einem dritten Nachbarn haben sich Reß und Gomes eingerichtet. Sie bilden eine Gemeinschaft, helfen sich im Notfall und ergänzen sich im Alltag. Die drei hätten sich gefreut, wenn jemand gekommen wäre, um mit ihnen zu reden und eventuell sogar einen Vorschlag gemacht hätte, wie es für sie weitergehen könnte. „Wir leben doch in einer kleinen Gemeinde und kennen uns alle“, so Reß. Alle drei bemühen sich mittlerweile selbstständig andere Unterkünfte zu finden.

Stellungnahmen - „Bevölkerungsgruppen gleich behandeln“

„Das ist möglicherweise etwas unglücklich gelaufen“, räumte Jens Neumann, stellvertretender Leiter des Amtes Moorrege, ein. Die Obdachlosenwohnungen sind sanierungsbedürftig. Sie stammen aus den frühen 60er Jahren, sind mit Holzöfen und spartanischen sanitären Anlagen ausgestattet. Da Platz für mobile Wohnheime für die Unterbringung von Flüchtlingen benötigt wird, sei der Zeitpunkt, die Wohnungen abzureißen, jetzt gekommen, so Neumann. „Die Unterbringung in den Obdachlosenheimen ist kein Mietverhältnis und soll normalerweise nur vorübergehend sein“, erläuterte der Verwaltungmitarbeiter. „Wenn es den jetzigen Bewohnern nicht gelingt, selbständig eine Wohnung zu finden, haben wir aber Möglichkeiten sie unterzubringen“, ergänzte er. „Wir müssen beide Gruppen, die der Flüchtlinge und die der Wohnungslosen, gleich behandeln“, fordert Ulrich Lenk vom Regio-Mobil, dem medizinischen Hilfsangebot der Region Kliniken für Wohnungslose. Er sieht jeden Montag im Moorreger Münsterweg nach dem Rechten. „Ansonsten besteht die Gefahr, dass wir unsere Gesellschaft spalten“, warnte er.

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erstellt am 31.Mär.2016 | 18:18 Uhr

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