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Integration : Entscheidend ist das Elternhaus, nicht die Nationalität

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Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Einige Schüler mit Migrationshintergrund nehmen viel aus dem Unterricht mit. Sie kommen gut zurecht. Das Problem: „Im Verhältnis zu ihrem Anteil in der Gesellschaft sind Migranten am Gymnasium unterrepräsentiert“, sagte der Schulleiter. Vor allem sozial schwache Schüler hätten es schwer.

shz.de von
erstellt am 04.Apr.2012 | 20:48 Uhr

Uetersen. Uetersener Schülerinnen unterstützen türkische Kinder, Zuwanderer aus der Rosenstadt absolvieren einen Deutschtest. Diese Beispiele haben Symbolkraft. Auch die Uetersener Schulen und Kindergärten investieren viel in die Integration junger Menschen. Doch ihre Arbeit bleibt oft im Verborgenen. Drei Pädagogen berichten: „Das ist zweiseitig zu sehen“, sagte Doris Michaelis, Leiterin des Kindergartens der Erlöserkirche. Integration sei nicht nur eine Aufgabe der Deutschen, sondern auch der Zuwanderer. „Ich habe manchmal das Gefühl, dass sie nicht wollen“, so Michaelis. Einige Mütter würden kaum Deutsch sprechen. „Wenn die Männer auf der Arbeit sind, kann man manche Dinge gar nicht besprechen“, stellte sie fest. Alexej Stroh, Leiter des Ludwig-Meyn-Gymnasiums (LMG), betonte: „Ich erwarte von keinem, dass er sich an unsere Kultur anpasst.“ Unter Integration verstehe er nicht Assimilation, sondern Partizipation. Es gehe darum, den Schülern die Möglichkeit zu verschaffen, die Angebote der Gesellschaft wahrzunehmen. Stroh will daher Lernprozesse aus den Familien in die Schule verlagern. Im Herbst wird er im Zuge der Einführung des Abiturs nach acht Jahren (G8) eine Lernwerkstatt einführen. Schüler sollen nach der sechsten Stunde gezielt gefördert werden. „Das ist ein Beitrag für die Chancengleichheit, weil es nicht mehr auf den Druck von zu Hause ankommt“, sagte er. Viele Eltern könnten die Förderung nicht mehr leisten.

Dieses Problem ist nach Einschätzung von Wolfgang Balasus, Leiter der Rosenstadtschule, für den schulischen Erfolg viel entscheidender als die Nationalität. „Es hängt davon ab, ob Eltern in der Lage sind, Schüler gut auf die Schule vorzubereiten“, so Balasus. Manchen Migranten gelinge das gut. So würden viele hochmotivierte Kinder aus Zuwandererfamilien die sogenannte Aufbauklasse besuchen, die in zwei Jahren vom Hauptschulabschluss zur Mittleren Reife führt. Manche Migrantenfamilien würden ihre Söhne und Töchter weniger gut auf die Schule vorbereiten. „Es gibt aber auch deutsche Kinder, die kaum ein Buch in die Hand nehmen“, sagte Balasus.

Geld spiele dabei weniger eine Rolle. Es gäbe sehr fleißige, interessierte Schüler, deren Eltern zugewanderte Arbeiter sind. Wichtig sei eine Kultur der Erziehung, der Anstrengung, des Pflichtbewusstseins, betonte Balasus.

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