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Mehr als 90 Unterschriften : Eltern kritisieren Ende des Kita-Talers in Tornesch

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Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Seit dem 1. Januar zahlt die Stadt Tornesch keinen Kita-Taler mehr. Das sorgt bei einigen Eltern für Kritik. In einem Schreiben an Verwaltung und Politik machen sie ihrem Ärger Luft.

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erstellt am 22.Feb.2017 | 16:00 Uhr

Tornesch | 444 Euro kostet eine Ganztagsbetreuung in einer Krippengruppe in Tornesch. Viel Geld für die meisten Familien. Kommt vielleicht noch ein zweites Kind, etwa in einer Elementargruppe, hinzu, summieren sich die Kosten rasch auf mehr als 700 Euro. Etwas Balsam auf das geschundene Haushaltsbudget brachte den Torneschern bislang der sogenannte Kita-Taler. Brachte, denn zum 1. Januar 2017 wurde er − unter anderem mit dem Verweis auf das vom Land Schleswig-Holstein gezahlte Krippengeld − abgeschafft. Das sorgt bei mehreren Eltern für Kritik. Sie sammeln derzeit Unterschriften und wollen sich an Politik und Bürgermeister wenden.

„Die Abschaffung ist bei einigen Eltern auf Unmut gestoßen“, sagt Julika Franzke. Die zweifache Mutter hat deswegen gemeinsam mit Linda Pankratz und Tobias Kees ein Schreiben aufgesetzt, das unserer Zeitung vorliegt. „Im Namen der Eltern des evangelischen Kindergartens Tornesch“ kritisieren sie darin die Abschaffung des Zuschusses, der monatlich bis zu 59 Euro für einen Krippenplatz und bis zu 43 Euro für den Elementarbereich betrug. „Die monatlichen Betreuungskosten stellen ohnehin schon einen enormen Posten im Haushaltsbudget dar. Die Kosten für die Kinderbetreuung und Fahrkarten oder Benzingeld fressen den Verdienst oft schon auf“, monieren die Verfasser des Schreibens.

Insbesondere die Art und Weise der Abschaffung stößt bei den Eltern auf Kritik: „Für uns ist es unverständlich, dass der Kita-Taler von einem auf den anderen Monat derart kurzfristig eingespart wurde. Uns Eltern wurde damit jegliche Möglichkeit genommen, im Vorweg darauf zu reagieren.“ Per Aushang im Kindergarten habe man schließlich von der Entscheidung erfahren, so Franzke.

Allerdings hatte die Tornescher Ratsversammlung bereits in ihrer Sitzung am 11. Oktober die Abschaffung der freiwilligen Zahlung zum 1. Januar beschlossen. Und zwar mit Bauchschmerzen, wie damals nicht nur die Politiker, sondern auf UeNa-Nachfrage auch jüngst die Verwaltung betonte. Doch derzeit sei der Kita-Taler, für den die Stadt jährlich zirka 80.000 Euro aufgebracht habe, finanziell nicht darstellbar, so Bürgermeister Roland Krügel (CDU).

Tornesch investiert in seine Kitas

Auch Sabine Kählert, Leiterin des Amts für soziale Dienste, begründet die Abschaffung unter anderem mit der Finanzlage der Stadt. Hinzu komme, dass Tornesch derzeit kräftig in seine Kindertagesstätten investiere − 800.000 Euro in die Awo-Kindertagesstätte „Lüttkamp“ und zirka eine Million Euro in die DRK-Kindertagesstätte in der Friedlandstraße. Und auch der Kreis Pinneberg wolle seine Sozialstaffel verbessern, so Kählert. Damit können Familien mit mehreren Kindern oder geringerem Einkommen eine Ermäßigung zum Beitrag für eine Kindertageseinrichtung erhalten. Mit Blick auf das seit Jahresbeginn vom Land gezahlte Kita-Geld in Höhe von bis zu 100 Euro betont Kählert aber auch: „Eine Doppelförderung müssen wir nicht vornehmen.“ Schweren Herzens habe die Verwaltung deswegen die Abschaffung vorgeschlagen, so die Amtsleiterin.

Für Franzke, Pankratz und Kees ist der Vergleich mit dem Landeszuschuss allerdings nicht angebracht, da dieser nur für Krippenkinder gewährt wird. Zwar seien die Krippengebühren die höchsten, aber auch die Beträge für einen Platz im Elementarbereich seien hoch, geben die drei zu bedenken. Bei diesem Thema sind sich die Beteiligten übrigens einig. Auch Kählert sagt zu dem von der Küstenkoalition eingeführten Zuschuss: „Ich finde es ungerecht, ihn nur für Krippenkinder zu zahlen.“

Abschaffung muss nicht endgültig sein

Unterschriften sammeln die Eltern nicht nur in der evangelischen Kindertagesstätte, sondern auch in anderen Tornescher Einrichtungen. Mehr als 90 Unterstützer haben sie bis dato gewinnen können. Dass die Tornescher Politik ihre Entscheidung revidiert, glauben sie zwar nicht, sie wollen allerdings deutlich machen, dass man ihnen zumindest eine schrittweise Reduzierung des Kita-Talers hätte zugestehen können. „Damit man sich darauf einstellen kann“, sagt Kees. Einige Eltern hätten zudem mit der Unterstützung, die Tornesch im Jahr 2006 eingeführt hatte, gerechnet, betonen die Eltern. In ihrem Schreiben geben sie weiterhin zu bedenken, dass das Geld „nicht zum Vergnügen der Eltern ausgegeben wurde“. Vielmehr sei es für Sportvereine, Musik- oder Reitunterricht, notwendige Anschaffungen sowie Familienaktivitäten verwendet worden.

Ein Umstand, den auch Krügel und Kählert anerkennen. Sie betonen deswegen, dass der Kita-Taler mit der Abschaffung zum 1. Januar nicht endgültig beerdigt sein müsse. „Es heißt nicht, dass es ihn nie wieder geben wird“, sagt Kählert. Und Bürgermeister Krügel betont: „Wir haben ihn gern gezahlt und würden ihn auch gern wieder einführen − wenn es der Stadt finanziell wieder besser geht.“

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