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Saufstorys mit tragischem Abgesang : Elke Heidenreich liest Dylan Thomas in Uetersen

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

shz.de von
erstellt am 29.Jun.2016 | 16:00 Uhr

Uetersen | „Rauschhafte Gedichte“ verfasste der walisische Dichter Dylan Thomas (1914-1953), erzählte die Autorin Elke Heidenreich im Museum Langes Tannen. Die Lesung war Teil einer Veranstaltungsreihe rund um den Künstler, dessen Mittelpunkt eine Ausstellung des Fotografen Tom Krausz in der Museumsscheune ist. Zu sehen sind Schwarz-Weiß-Fotos der Heimat des Dichters sowie seine Lebensstationen in London und New York. Sie sind Teil von Heidenreichs Buch „Dylan Thomas – Waliser, Dichter, Trinker“, aus dem sie dem Uetersener Publikum vorlas.

Krausz und Heidenreich hatten sich bei einer Recherche über Pinguine kennengelernt, die sie im Auftrag der Brigitte in Neuseeland erstellten. Mittlerweile haben die beiden zusammen fünf Bücher, 13 Reportagen und fünf Filme gemacht. 2003, zum 50. Todestag von Dylan Thomas, brachten sie zunächst eine Geschichte in der Brigitte, das Buch folgte.

Thomas’ Gedichte hatten großen Einfluss auf die Pop-Kultur der 60er Jahre, unter anderem auch auf die Rolling Stones, die Beatles und Bob Dylan, der mit bürgerlichem Namen eigentlich Zimmerman heißt. Als Dichter und Schriftsteller war Dylan Thomas auch zu Lebzeiten sehr erfolgreich, doch sein Alkoholismus führte dazu, dass seine Familie arm blieb. „Immer fehlte es an Geld“, zitierte Heidenreich die Briefe seiner Frau Caitlin, mit der er drei Kinder hatte. Also stahl er. „Der Besitz anderer Menschen war ihm egal.“ Mal trug er die Nähmaschine ihrer Freundin aus dem Haus, mal ließ er an einer Garderobe seinen eigenen, schäbigen Mantel hängen und ging mit einem warmen nach Hause. „Er tat das aus keinem anderen Grund, als um weitertrinken zu können.“

Aus dem Whisky-Rausch heraus schuf Thomas seine Werke, und im Alter von 39 Jahren soff er sich ins Koma und starb. Seine Dichtung aber ist geblieben. „Thomas hat gewusst: Einzig die Kunst ist unvergänglich“, so Heidenreich. Im Zuge ihrer Recherchen haben Heidenreich und Krausz auch das Grab des Walisers besucht: „Tom und ich haben Whisky getrunken, haben ihm auch was reingegossen!“ Überdauert hat auch eine Tonaufnahme, auf der Thomas ein Gedicht auf den Tod seines Vaters vorträgt und die auch in der Museumsscheune abgespielt wurde. „Do not go gentle into that good night (…), rage, rage against the dying of the light”, heißt es da.

Im Anschluss an die Lesung „über diesen wunderbaren Dichter“, so Elke Heidenreich, hatte das zahlreiche Publikum Gelegenheit, Medien der Autorin und des Fotografen zu erwerben und signieren zu lassen. Krausz’ Fotografien sind noch bis zum 21. August im Museum Langes Tannen ausgestellt, geöffnet ist mittwochs, sonnabends und sonntags von 14 bis 18 Uhr.

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