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Versalzung : Elbvertiefung: Obstanbau in Gefahr?

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Schwer beunruhigt sind die Obstbauern im Alten Land, dass sich die geplante Elbvertiefung negativ auf ihre Anbauflächen auswirkt. Sie gehen davon aus, dass sich die Süßwassergrenze Richtung Hamburg verlagert und damit auch das Grundwasser versalzt.

shz.de von
erstellt am 22.Feb.2012 | 20:53 Uhr

Diese Bedenken gelten natürlich auch für die Obstbauern auf der schleswig-holsteinischen Seite des Stromes und ihnen hat der Haselauer Umweltausschuss während seines jüngsten Sitzung mit einer Resolution eine Stimme gegeben. „Die Landesregierung muss auf Sicherungsmaßnahmen drängen“, steht in dem von Bürgermeister Rolf Herrmann (CDU) formulierten Papier. Zudem muss geklärt werden, wer die finanziert. Denn „die Elbvertiefung ist ein erheblicher Eingriff“, so das Gemeindeoberhaupt. Um die Versalzung dokumentieren und gegebenenfalls eingreifen zu können, soll die Landesregierung Messstationen einrichten. Die sollen am Pinnau- und Krückausperrwerk sowie an mindestens einer Grundwasserentnahmestelle in der Haseldorfer Marsch entstehen.

„Derzeit sind nur die Länder gefragt“, erklärt der Bürgermeister. Für die direkt betroffenen Kommunen gebe es derzeit keine Möglichkeit, ihre Meinungen kundzutun. Mit der Resolution wollen die Haselauer sicherstellen, dass man sich in Kiel mit ihren Bedenken beschäftigt und sie Eingang in die Planungen finden. „Wir fordern von der Kieler Regierung, dass sie in ihr Einvernehmenserklärung zur Elbvertiefung die Vorbehalte aufnimmt“, so Hermann.

Überrascht ist man in Haselau weiterhin, dass im neuen schleswig-holsteinischen Generalküstenplan die Auswirkungen der Baggerungen sowie die erforderlichen Deichbauarbeiten keine Erwähnung finden. Das muss geändert werden, steht für die Marschmer fest.

Nach Presseberichten hat das Land Niedersachsen den Projektplanern des Bundes deutlich erklärt, dass es eine Zustimmung zur Elbvertiefung nur gibt, wenn für den Obstanbau entsprechende Schadensersatzregelungen getroffen werden. Die Wasser- und Schifffahrtsdirektion als planende Behörde hat dazu ein Gutachten in Auftrag gegeben. Es untersucht allerdings nur „Alternative Maßnahmen zur Wasserbereitstellung für Kehdingen und Altes Land bei zu hohem Salzgehalt“, nicht für die Obstbauern auf schleswig-holsteinischer Seite. Das Papier soll demnächst präsentiert werden.

1800 Meter oder 13 Kilometer? Die Sachverständigen streiten, ob die Elbvertiefung eine deutliche Versalzung des Flusses nach sich zieht. Die Planer der Baggeraktion gehen davon aus, dass sich die Salz-Süßwasser-Grenze um maximal 1800 Meter stromaufwärts verlagert.

Auf der niedersächsischen Elbseite sieht man das anders und stützt sich dabei auf ein Gutachten, das die Universität Delft im Auftrag des Stader Dow-Werkes erarbeitet hat. Danach könnte sich die Salzgrenze um bis zu 13 Kilometer verschieben. Und nach Untersuchungen des Förderkreises „Rettet die Elbe“ hatten die bisherigen Elbvertiefungen zur Folge, dass die Süßwassergrenze von Glückstadt 20 Kilometer elbaufwärts wanderte. Vor einer deutlichen Verschiebung der Brackwassergrenze fürchten sich nicht nur die Obstbauern, weil sie Elbwasser zur Beregnung nutzen. Naturschützer erwarten zudem eine Beeinträchtigung der Flora.

Skeptisch sind auch niedersächsische Industriebetriebe, die das Elbwasser nutzen, etwa zur Kühlung ihrer Anlagen. Sie befürchten zusätzliche Kosten der Wasseraufbereitung.

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