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Ortsgeschichte : „Einfach übermalen? Das geht doch nicht“

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Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Zu der Zeit, als Hitler seinen Angriffskrieg gegen die Welt führte, malte ein Wehrmachtssoldat seinen Wunschtraum mit wasserfester Farbe an eine Barackenwand: Das Bild zeigt eine JU 88, eines der Standard-Kampfflugzeuge der Luftwaffe des Deutschen Reiches, von der aus eine feindliche Schiffsflotte bombardiert wird. Das Bild gehört zur Geschichte des Hauses, in dem Hans Ellerbrock seit 1969 lebt. Das Haus steht am Ortsrand von Heist in der Straße Zum Sandloch, wo zu Kriegszeiten eine Flakstation mit den dazugehörigen Mannschaftsunterkünften und Munitionsdepots angesiedelt war.

shz.de von
erstellt am 28.Aug.2015 | 19:22 Uhr

Zweimal hatte sich der aus Hamburg stammende Landwirt umorientieren müssen. Der Pachtgrund, mit dem er für seinen Lebensunterhalt sorgte, wurde zu Bauland erklärt. So kam er zu dem Entschluss, sich in der Umgebung der Großstadt nach geeigneten Ländereien zum Pachten und Bewirtschaften umzusehen. In Heist wurde der damals 35-Jährige fündig: In der Straße Zum Sandloch entdeckte er ein baufälliges Gebäude, das er kaufen konnte. Er baute es zunächst notdürftig zu einem Wochenendhaus aus.

Dass das Gebäude, das er erworben hatte, während des Zweiten Weltkrieges als Soldaten- und später als Flüchtlingsunterkunft gedient hatte, erfuhr Ellerbrock von seinen neuen Nachbarn. Im Zuge der Renovierungsarbeiten der „Baracke“ wusch der tüchtige junge Mann Kalkschicht um Kalkschicht von den Wänden ab und entdeckte dabei das Bild.

„Der Maler hat beim Wacheschieben unter Langeweile gelitten“, vermutet Ellerbrock. Er hat sich seine eigene Geschichte zu dem Wandbild ausgedacht: „Das sind englische Schiffe auf der Themse, die da von einem deutschen Flugzeug aus bombardiert werden.“

„Einfach übermalen? Das geht doch nicht“, so der Heistmer Landwirt, der bei Kriegsende zehn Jahr alt war und von sich sagt, dass er sich ausschließlich für die Natur interessiert. Das Bild ist für ihn Bestandteil der Geschichte seines Hauses. Die Baracke, ein solider Backsteinbau mit einem 36er Mauerwerk, überbaute er 1974 im vorderen Bereich mit einem modernen Wohnhaus. Das Wandbild verschwand hinter einer Garderobe.

„Wandbilder waren damals üblich“, weiß Thorsten Göpfert. „Auch hier in der Kaserne haben wir einige entdeckt“, ergänzte er. Der Stabsfeldwebel betreut die Lehrsammlung der Appener Marseille-Kaserne. Er weiß, dass die Menschen direkt nach dem Krieg und der Zeit der Nazi-Herrschaft nicht reden mochten – aus Scham oder weil sie andere Probleme hatten. Er sieht in dem Wandbild eine Möglichkeit, ins Gespräch zu kommen und fehlende Puzzlestücke zu ergänzen.

Auch die Moorreger Heimatforscher Hauke Heidecke und Uwe Mahnke, die die Zeit zwischen 1933 und 1945 aufarbeiten, haben Interessantes zusammengetragen: Sie wissen, dass unter anderem Hans Martin, späterer Präsident der Moorreger Karnevalisten und SPD-Gemeindevertreter, zusammen mit weiteren Moorregern hier seinen Dienst tat. Die Männer waren Zeit ihres Lebens befreundet und gemeinsam im Moorreger Sportverein aktiv.

Heist. Zu der Zeit, als Hitler seinen Angriffskrieg gegen die Welt führte, malte ein Wehrmachtssoldat seinen Wunschtraum mit wasserfester Farbe an eine Barackenwand: Das Bild zeigt eine JU 88, eines der Standard-Kampfflugzeuge der Luftwaffe des Deutschen Reiches, von der aus eine feindliche Schiffsflotte bombardiert wird. Das Bild gehört zur Geschichte des Hauses, in dem Hans Ellerbrock seit 1969 lebt. Das Haus steht am Ortsrand von Heist in der Straße Zum Sandloch, wo zu Kriegszeiten eine Flakstation mit den dazugehörigen Mannschaftsunterkünften und Munitionsdepots angesiedelt war.

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