Nach „Charlie-Hebdo“-Anschlag : Eine Kundgebung gegen den Hass

4280966_800x258_54b7f461951bc.jpg

Mit einer Kundgebung morgen in der Fußgängerzone wollen die Uetersener Kirchen und die islamische Gemeinde ein Zeichen gegen Terrorismus, den Missbrauch des Glaubens sowie für die Presse- und Meinungsfreiheit setzen. Sie reagieren damit auf den Anschlag durch Al-Kaida-Terroristen auf die Redaktion der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ am 7. Januar in Paris, bei dem zwölf Menschen ums Leben kamen.

shz.de von
15. Januar 2015, 18:07 Uhr

„Das ist grausam. Man muss etwas dagegen tun. So ein Zeichen zu setzen, ist viel wert“, sagte Muhsin Cinar, Vorstandsvorsitzender der islamischen Gemeinde Uetersen, bei einem Pressegespräch in der Moschee.

Dort hatten sich Pastor Johannes Bornholdt und Vikar Christian Bingel von der Erlöserkirche, Pastorin Kirsten Ruwoldt von der Klosterkirche, der Uetersener Imam Hakan Dertlioglu, Cinar, Gürdal Karaköse, Sekretär der islamischen Gemeinde, und andere Vertreter der Moschee getroffen. Gemeinsam formulierten sie eine Verlautbarung, die morgen in vier Sprachen verlesen werden soll: Deutsch, Türkisch, Englisch und Französisch. Anschließend soll eine Schweigeminute eingelegt werden. Cinar grenzte den Islam deutlich vom Terrorismus ab. „Ein Terrorist kann kein Moslem sein! Ein Moslem kann kein Terrorist sein!“, sagte er. Die Attentäter hätten eklatant gegen muslimische Gesetze verstoßen. Zum Beispiel habe der Prophet Mohammed gesagt: „Wer einen Menschen umbringt, ist genauso zu werten, als hätte er die gesamte Menschheit umgebracht.“ Für Cinar ist klar: „Diese Leute kommen in die Hölle.“

Die Gruppe stellte fest: Bei der Ablehnung der Tötung von Menschen stehen sich Christentum und Islam sehr nahe. So erinnerte Bornholdt daran, dass die Zehn Gebote das Morden verbieten. Ruwoldt betonte, dass Jesus im Neuen Testament zur Feindesliebe aufrufe. Gemeinsam ist beiden Religionen aber auch die Erfahrung, dass der eigene Glaube als Legitimation für Gewalt missbraucht wurde. So beklagte Süleyman Erdogan, dass die Angreifer während der Tat „Allahu akbar“ („Gott ist am größten“) gerufen hatten. „Sie wollen nur unseren Islam schlecht aussehen lassen“, sagte das Mitglieder der islamischen Gemeinde Uetersen.

Vikar Christian Bingel erinnerte an den Missbrauch des Christentums. Auch im Hinblick auf diese gemeinsame Erfahrung würden Moslems und Christen morgen in der Fußgängerzone solidarisch zueinander stehen.

Die Kundgebung am Brunnen vor dem Pressehaus beginnt um 13 Uhr. Sie soll etwa 30 Minuten dauern. Die Veranstalter rufen alle Bürger unabhängig von der Religionszugehörigkeit zur Teilnahme auf.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert