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Uetersener Nachrichten

14. Dezember 2017 | 16:43 Uhr

Bildungsausschuss : Eine Insel zur Beruhigung

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Die Gesellschaft verändert sich laufend. Im Prinzip ist das auch gut so, denn Stagnation ist in der Regel schlecht. Auch die Anforderungen an Berufstätige haben sich verändert. Zuweilen sind es lange Anfahrtswege, die in Kauf genommen werden müssen, manchmal Arbeitszeiten, die sich so gar nicht mit den Wünschen einer Familie decken. Der Alltag im Büro fordert heraus, die Familie, insbesondere die Kinder, kommen dabei nicht selten zu kurz. Der Nachwuchs vertreibt sich mit PC-Spielen und mit dem TV-Nachmittagsprogramm die Langeweile. Und das schon im Kindergartenalter. Bewegung kommt zu kurz, Talente liegen brach oder verkümmern.

shz.de von
erstellt am 30.Aug.2013 | 21:35 Uhr

Stereotypes Bild oder nicht: Die Ursachen von Auffälligkeiten im Kindergarten und im Klassenverband werden landauf, landab diskutiert. Lehrer und Erzieher sprechen diesbezüglich von einem signifikanten Anstieg. Was tun, wenn Unterricht nicht oder nur eingeschränkt machbar ist? Eine Möglichkeit ist, die Zustände, so wie sie sind, verbal zu verteufeln. Eine andere, sich der Herausforderung anzunehmen.

Erziehung wird zunehmend vom Elternhaus in Richtung Kindergarten und Schule verlagert. Unterricht im Klassenverband funktioniert aber nur dann, wenn alle mitmachen. Wenn es einzelne Störer gibt, ist an einer Vermittlung von Wissen oft nicht mehr zu denken. Auch an Uetersens Schulen ist das Problem bekannt. Schulleiter erkennen hinsichtlich des Anstiegs von Problemfällen eine Signifikanz.

An der Rosenstadtschule wurde für Störer zu Beginn des zweiten Schulhalbjahres 2012/13 eine „Pädagogische Insel“ geschaffen. Sie erhalten eine qualifizierte Aufgabe und müssen diese alleine bearbeiten. Beaufsichtigt werden sie dabei von einer erfahrenen Lehrkraft. Unterstützung erhalten beide, insofern notwendig, von Sozialpädagogin Larissa Scheffler. Ziel der „Pädagogischen Insel“ ist die kurzfristige „Rücküberweisung“ des auffälligen Kindes in den Klassenverband.

Das funktioniere gut, sagt Schulleiter Wolfgang Balasus, betonte während der jüngsten Sitzung des Bildungsausschusses – unter dem Vorsitz von Franziska Hammer (SPD) – jedoch, dass ihm für die Zukunft Lehrer für die Betreuung der „Insel“-Kinder fehlten. Der Schulleiter bat um Unterstützung der Politiker. Die erkannten die Notwendigkeit dieser repressiven Maßnahme an und folgten dem Wunsch von Balasus, der angeregt hatte, 10800 Euro in den Nachtragshaushalt einzustellen, einstimmig. Die CDU-Fraktion hatte einen entsprechenden Antrag eingebracht, der von SPD, BfB und den Grünen unterstützt wurde.

Der Abstimmung vorausgegangen war ein Vortrag aller vier Schulsozialarbeiter. Drei von diesen arbeiten im Grundschulbereich. Ihr Ansatz ist eher präventiv. Es soll also verhindert werden, dass sich (auf den Unterrichtsablauf auswirkende) negative Ausprägungen verstärken. Die Pädagoginnen sowie die Schulleiter sagten, dass diese Maßnahmen erfolgsversprechend sind und spätere „Ausfälle“ abmildern können.

Doch auch Alexej Stroh, Leiter des Ludwig-Meyn-Gymnasiums, artikulierte Bedarf an Sozialpädagogik. Derzeit gibt es noch keine diesbezügliche Stelle am LMG. Sie müsste somit erst noch geschaffen werden.

Verständlich war dargestellt worden, dass es nicht nur wichtig ist, die vorhandenen Sozialpädagogischen Kompetenzen zu erhalten (und die Stellen daher auch zu entfristen), sondern unter Umständen sogar „draufgesattelt“ werden muss. Kreis, Land und Bund haben bereits reagiert, stellten diesbezüglich bislang für alle Schüler im Kreisgebiet rund 1,5 Millionen Euro zur Verfügung. Werden zusätzliche Gelder benötigt, muss der jeweilige Schulträger diese aufbringen.

In Uetersen hofft man nun zum einen, dass die Gelder von dritter Seite auch weiterhin fließen und zweitens, dass die Summe aufgestockt wird. Die SPD-Fraktion bat die Verwaltung, dahingehend beim Land und Bund vorstellig zu werden.

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