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Schuldnerzahlen nehmen zu : „Eine Herkules-Aufgabe“

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Die Arbeitslast ist erdrückend: Im vergangenen Jahr mussten die Beraterinnen und Berater 5000 Anfragen von Schuldnern im gesamten Kreisgebiet bearbeiten, ein Plus von über acht Prozent zum Vorjahr. Die Zunahme der Anfragen schließt keine gleichzeitige Personalaufstockung ein und die Mehrbelastung der Mitarbeiter ist deutlich zu spüren: „Früher hatte ich zu jeder Akte, zu jedem Fall ein Gesicht und kannte die Hintergrundgeschichte eines jeden Schuldners“, so Kerstin Rudat von der Schuldnerberatung Pinneberg.

shz.de von
erstellt am 05.Jun.2012 | 22:20 Uhr

Auch sei die Hilfe vor einigen Jahren noch intensiver gewesen. Die Verschuldeten müssten heute ihre Unterlagen selbst sortieren, was für viele schlicht eine Überforderung darstellt. Trotzdem lassen sich die Damen und Herren der AWO Schuldnerberatung nicht den Spaß an ihrer Arbeit nehmen. „Die Menschen zu motivieren, Perspektiven aufzuzeigen und die Menschen vielleicht sogar wieder in eine Arbeit zu bringen“, so Mechtild Kuiter-Pletzer von der Beratungsstelle Schenefeld, seien die Gründe, warum man die Belastung noch aushalte.

Die Schuldner zeigten sich immer wieder sehr dankbar über die Hilfen. Doch auch Fernsehformate wie „Raus aus den Schulden“ mit Peter Zwegat haben ihre Spuren hinterlassen: „Die Leute denken, man könne ihre Probleme wie im Fernsehen leicht in einer Stunde abhandeln“, berichtet Michael Danker, Leiter der Schuldnerberatung. Dies sei in der Realität aber nicht möglich. Allein die Wartezeit, um einen Termin bei einer Schuldnerberatung zu bekommen, kann in Deutschland bis zu eineinhalb Jahre betragen. Da haben die Hilfesuchenden im Kreis Pinneberg noch Glück: Vertraglich hat die AWO der Kreisverwaltung zugesichert, dass man für einen Termin nicht länger als zwölf Wochen warten muss. Dafür bekommt die AWO im Jahr rund 140000 Euro, mit denen die Kosten für die insgesamt neun Mitarbeitern gedeckt werden sollen.

„Eine Herkules-Aufgabe, bei der das Ende der Fahnenstange bald erreicht ist“, befürchtet Michael Danker. Zu den Schuldnerberatungen kommen noch die Insolvenzfälle, von denen die AWO etwa zehn Prozent der Gesamtzahl in Schleswig-Holstein betreut. Die finanzielle Unterstützung hierfür kommt vom Land. „Schulden sind ein gewollter Teil des Wirtschaftskreislaufes“, so Danker. Damit ist anzunehmen, dass die Schuldnerzahl in den kommenden Jahren noch höher steigen wird – doch die Töpfe des Landes und des Kreises werden nicht mehr hergeben.

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