zur Navigation springen

Sicherheitspolitischer Vortrag : Eine Frage des Überlebens

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Selbstgestellte Aufgabe der 1952 gegründeten Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik (GfW) ist die Vermittlung von sicherheitspolitischem Verständnis in der Bevölkerung.

Gefördert werden soll das diesbezügliche Interesse durch intensive Öffentlichkeitsarbeit. Die Sektion Appen-Uetersen, 2002 in der Marseille-Kaserne gegründet, lädt regelmäßig zu Themenabenden ein. Sicherheitspolitische Vorträge sollen helfen, die Bevölkerung zu sensibilisieren und diese auf unvermeidliche Konfrontationen vorzubereiten. Das Interesse an diesen öffentlichen Dialogabenden ist jedoch ausbaufähig.

Am Mittwochabend waren es etwa 30 Interessierte, die dem Vortrag von Brigadegeneral Karl H. Schreiner, vor zehn Jahren Kommandeur der Unteroffizierschule der Luftwaffe in Appen und jetzt Direktor Lehre an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg-Blankenese, ihre Ohren schenkten.

Darunter Uetersens stellvertretende Bürgervorsteherin Heike Baumann, Torneschs Bürgermeister Roland Krügel, Moorreges Bürgermeister Karl-Heinz Weinberg, der im Ruhestand lebende Brigadegeneral Rudolf Erlemann, Oberst Manfred Hollendung aus Uetersen sowie eine Abordnung der USLw. Es waren nachdenklich stimmende Dinge, die der General, ein Vordenker in der Bundeswehr, während seines gut zweistündigen Vortrags zu vermitteln versuchte.

Die nächsten 30 bis 40 Jahre würden außerordentlich spannend, so Schreiner. Man wisse, dass radikale Veränderungen auf die Menschen auch in Europa zukämen. Die Geschwindigkeit des Wandels nehme dabei objektiv zu. „Wir leben in einer Zeitenwende von der Industrie- zu einer Wissensgesellschaft.“ Und dabei dürfe der Sicherheitsgedanke nicht ausgeblendet werden. Beispiel Cyberraum: Jahrelang sei dieser Bereich in Deutschland vernachlässigt worden. Doch ein Krieg im Cyberraum sei wahrscheinlicher als in der Wirklichkeit. 50 Hacker seien in der Lage, mehr zu zerstören als 1000 Infantristen. Die Bildung der Menschen sei ein hochinteressanter Stoff, insbesondere da, wo sie nicht stattfinde, so Schreiner.

Man müsse sich mit dem zunehmenden Problem der gescheiterten Staaten auseinandersetzen. Beispiele dafür finde man insbesondere in Afrika.

Dieser Kontinent werde Europa schon bald in einer Dimension beschäftigen, die man heute nur erahnen könne.

Menschen setzten sich in Bewegung, auch wegen des Klimawandels. Hunger, Durst und Schlafentzug mache Menschen einerseits radikal, treibe sie andererseits aber auch voran. Sie würden kommen und das Glück in Nordeuropa suchen. Diese Wanderungsbewegung lasse sich nicht aufhalten. „Ich kann es ihnen auch nicht verdenken“, so Schreiner. Europa aber müsse eine Strategie finden, wie mit diesen Menschen umgegangen werden soll. Diese gemeinsame Strategie gebe es bislang nicht.

Ohnehin müsse sich Europa jetzt dringend mit seiner Zukunftsfrage befassen. Aus asiatischer Sicht gehöre Europa nicht zu den „künftigen Mächten“. Das vergreisende Europa spiele diesbezüglich keine Rolle mehr. Junge Staaten seien China, Indien und solche in Lateinamerika.

Europa müsse auch daher noch enger zusammenwachsen, auch hinsichtlich der Sicherheitspolitik. Für eine europäische Armee, wie jetzt auch politisch angedacht, plädiere er, Schreiner, schon lange. Das Zusammenstehen sei eine Frage des Überlebens. Sorge bereite den Strategen auch innerhalb der Bundeswehr das Stromnetz in Deutschland. Es könne täglich zu Ausfällen kommen. Der moderne Mensch sei abhängig vom Strom.

Ein flächendeckender Ausfall über einen Zeitraum von einer Woche führe ins Chaos. Die Netze müssten somit dringend stabilisiert werden. Davon hänge nicht zuletzt die innere Sicherheit ab. Der General empfahl zu diesem Thema den Thriller „BLACKOUT – Morgen ist es zu spät“ von Marc Elsberg.

Beim Thema internationale Sicherheit sei vernetztes Denken wichtig. Es sei wichtig zu verstehen, wie der andere denke, wie der andere uns sieht. Die Herausforderungen hätten begonnen, Politiker müssten die Bürger darauf vorbereiten, dass Behaglichkeit nicht weiterführe.

Und in Deutschland müsse die Sicherheitspolitik neu aufgestellt werden. Schreiner plädierte für eine nationale Sicherheitsakademie, bestückt mit Personal, dass auch die Herausforderungen im Kontext von Cyber zu erkennen in der Lage sei.

Schreiners Vortrag berührte viele sicherheitspolitische Fragen. Jetzt gelte es, Antworten zu finden, um Stabilität und Sicherheit auch in Zukunft gewähren zu können. Der Bevölkerung müsse vermittelt werden, dass sie dabei gefordert sei.

zur Startseite

von
erstellt am 13.Feb.2014 | 18:33 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert