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Uetersener Nachrichten

21. November 2017 | 09:28 Uhr

UeNa-Geschenktipp : Eine farbige Liebesgeschichte

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Schleswig-Holstein im Winter 1683: Raureif überzieht die Landschaft. Es ist bitterkalt, und ganz Plön vergnügt sich beim Schlittschuhlaufen auf dem zugefrorenen See. Als Gesches Bruder einbricht, ist es ausgerechnet ein Farbiger, der Feldtrompeter Christian, der ihn aus dem eisigen Nass fischt. Und die 17-jährige Ratsherrntochter verliebt sich Hals über Kopf in den misstrauisch beäugten Fremdling.

shz.de von
erstellt am 04.Dez.2011 | 21:15 Uhr

„Eiswinter“ heißt ein neuer Roman, der die Uetersener der quälenden Frage enthebt: was soll ich schenken? Denn die auf wahre Begebenheiten beruhende Geschichte, die sich Ende des 17. Jahrhunderts zugetragen hat, ist in Plön und in Uetersen angesiedelt. Die Autorin Brigitte Beil hat vor drei Jahren beide Schauplätze besucht. In Uetersen musste sie recherchieren, wo denn der „Edelhof“ gestanden haben mag, den die dänische Königin ihrer farbigen Kammerzofe, einem einstigen Sklavenmädchen, schenkte, als sie ihre „Mohrin“ mit dem in Uetersen stationierten, dem „Löwendahlschen Regiment“ angehörenden Wundarzt Gansberger verheiratete.

Die aus dieser Ehe hervorgegangenen „schwarz-gelben Kinder“, wie die Leute den Nachwuchs der beiden nannten, wurden in der alten Uetersener Klosterkirche getauft und sind im Kirchenbuch dokumentiert.

Die tragende Handlung des Romans jedoch ist die wundersame und von der Autorin höchst einfühlsam erzählte Liebesgeschichte zwischen der 17-jährigen Plöner Ratsherrntochter Gesche und dem Feldtrompeter Christian Gottlieb. Einem Farbigen. Herr von Rantzau auf Gut Ascheberg hat sich des im zarten Kindesalter auf einem Sklavenschiff aus Afrika nach Holstein verbrachten Jungen angenommen, ihn erzogen und ihn zum Trompeter ausbilden lassen, wodurch er in den Offiziersstand gelangte. Rantzau hielt seine schützende Hand über das Liebespaar, dem in Plön übel mitgespielt wurde. Doch die beiden besiegen alle Widerstände und werden ein glückliches Paar. Ihre Gegner – zuvörderst Gesches Verwandte – geben aber keine Ruhe, und die Gottliebs suchen sich und ihren drei Kindern in Eimsbüttel ein neues Zuhause, ihr Anwesen wurde „Mohrenhof“ genannt.

Das Glück bricht jäh entzwei, als Christian Gottlieb, der durch große Tüchtigkeit als Landwirt und Pferdezüchter zu Wohlstand und Vermögen gelangte, durch ein rätselhaftes Unglück zu Tode kommt und die junge Gesche als Witwe mit drei kleinen Kindern zurückbleibt. Regimentsarzt Gansberger in Uetersen ist vor Kurzem ebenfalls verwitwet, und nolens volens erhört Gesche dessen Werben und wird seine 2. Frau, die Eheschließung ist ebenfalls im hiesigen Kirchenbuch dokumentiert. Und ganz modern – es entsteht eine Patchwork-Familie mit sechs „schwarz-gelben“ Kindern, zu denen sich alsbald ein „normales“, wie die Leute sagen, Schwesterchen gesellt, und die Familie Gansberger lebt auf dem seinerzeit von der dänischen Königin ihrer „Mohrin“ als Brautgeschenk übereigneten „Edelhof.“

Wo sich selbiger befand kann mit letzter Sicherheit leider nicht gesagt werden. Als „Edelhof“ aus königlichem Besitz war das Anwesen dem Kloster gegenüber nicht grundsteuerpflichtig, erscheint darum auch mit keiner Silbe in der klösterlichen Buchführung. Angeblich hat sich der Besitz aber unweit des Klosters befunden. Die spannende Liebesgeschichte der Vergessenheit entrissen haben Dr. Ada Bues, Claus Ulrich – beide mittlerweile verstorben – und Elisabeth Rübcke aus Plön, die damals ebenfalls in Uetersen recherchierten und nach dem „Edelhof“ suchten. Ihre 1996 erschienene Publikation „Der Schwarze Trompeter von Plön“ geriet ganz durch Zufall in das Gesichtsfeld der Romanautorin.

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