SHMF : Eine atemberaubende Trompete

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Wieder hatte sich der Schleswig-Holstein Musik Festival Standort Haseldorfer Rinderstall ein ganz außerordentliches Konzert eingefangen: Völlig begeistert verließ am Sonnabend das Publikum den Rinderstall, der eigentlich eine Scheune ist.

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19. Juli 2015, 21:23 Uhr

Zum ersten Mal in der Geschichte des Festivals sorgten in diesem Jahr der russische Ausnahme Trompeter Sergei Nakariakov - er gastierte in den 90er Jahren schon einmal beim SHMF – und als SHMF-Neuling das „dogma chamber orchestra“ unter der Leitung von Mikhail Gurewitsch für Furore.

Schon die Interpretation des Eingangsstückes, „Air“ aus der Orchestersuite Nr. 3 in D-Dur von Johann Sebastian Bach in der Fassung für Trompete und Kontrabass raubte den Menschen in der völlig ausverkauften Scheune den Atem.

Zusammen mit dem einfühlsamen jungen Kontrabassisten Sebastian Bartsch lieferte Nakariakov ein so wunderbares Spiel ab, wie es wohl kaum jemand in der Scheune je von einem Trompeter gehört hat, so virtuos, so schnell flitzten die Finger über die Ventile, so ein Melodienreichtum ist normalerweise Violinen zugedacht. Nakariakov kostet das mit seiner ungeheuren Atemfrequenz aus, bewältigt die jubilierenden Läufe mit scheinbar spielerischer Leichtigkeit, nur seinem Gesicht sieht jeder die wahnsinnige Konzentration an, mit der sein kaum fassbares Können zu erklären ist. Die verzauberte Trompete des Sergei Nakariakov, so samtweich und melodiös, entfaltete sich einfach genial bei Felix Mendelssohns Konzert für Violine und Streichorchester in d-Moll, das für Trompete und Streichorchester bearbeitet worden ist und bei Peter Tschaikowskys Andante cantabile aus dem Streichquartett Nr. 1 in D-Dur.

Doch auch das 17-köpfige Kammerorchester „dogma“ brauchte und konnte sich nicht verstecken: Hier spielen befreundete junge Menschen mit Leidenschaft zusammen, die Schleswig-Holstein Musik-Festival Debütanten sind allerdings kein unbeschriebenes (Noten)Blatt, erhielten sie doch bereits zweimal den begehrten Echo Klassik Preis. Ein großartiges Orchester, jedem einzelnen ist eine Solo-Karriere zuzutrauen. Leiter und erster Violinist Mikhail Gurewitsch, Mann mit Künstlermähne und sympathischen Grübchen, moderierte in nahezu akzentfreiem Deutsch durch das Programm, bestach auch als Komponist, hatte er doch eine seiner Zugaben seiner Frau als Geburtstagsgeschenk gewidmet. Weil er nicht anderes hatte, gestand er, habe er sich so einigermaßen geschickt und erfolgreich aus der Affäre gezogen, denn die Ehe bestehe immer noch und zwei Kinder haben sie auch. Zur großen Haseldorfer SHMF-Fan-Club-Familie gehört zunehmend auch der Intendant des Festivals, Dr. Christian Kuhnt. Der war dieses Mal mit seiner gesamten Familie angereist und zeigte sich beim anschließenden Künstlertreff gerührt wegen der großen Gastfreundschaft des Prinzen, Udo von Schoenaich-Carolath-Schilden, der für jeden Künstler einen seiner sagenumwobenen Blumensträuße und einen Marzipantaler von „Tante Niederegger“ parat hatte. Zur Krönung gab es dann noch Sahnegeschnetzeltes mit handgemachten Spätzle von Koch Florian Ehlers obendrauf. Dafür, so waren sich alle einig, müssen die Künstler auch unbedingt wieder nach Haseldorf kommen. Denn auch hier wollen alle Gäste auch weiter so genießen.

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