Demonstration in Uetersen : Ein vielfaches „Wuff!“ gegen die hohe Steuer auf Hunde

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Was für ein Gebell am Stichhafen. So etwas hatte die Rosen- und Hochzeitsstadt noch nicht erlebt. Rund 100 Herrchen und Frauchen hatten sich mit ihren (70) Tieren am Sonnabendmorgen auf dem Gelände des Stichhafens versammelt, um von dort aus in Richtung Rathaus zu marschieren.

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24. Februar 2013, 20:35 Uhr

Dort sollten der Bürgermeisterin die Unterschriftenlisten übergeben werden, mit denen die Hundehalter in Uetersen gegen die ihrer Ansicht nach unsoziale Erhöhung der Hundesteuer um satte 129 Prozent protestieren wollten. Neben der Bürgermeisterin waren Vertreter aller Fraktionen anwesend. Sie sind für die Erhöhung der Hundesteuer im vergangenen Jahr verantwortlich. Allerdings haben die Politiker nicht freiwillig „draufgesattelt“, wie auch am Sonnabend noch einmal bekundet wurde, sondern aufgrund von Druck aus Kiel. Das Land habe die Vorgaben gemacht, hieß es. Wäre die Politik diesen nicht nachgekommen, hätte sich Uetersen nicht am Konsolidierungsfonds beteiligen können, wäre also nicht an den Tropf des Landes gekommen. Man habe es sich wirklich nicht leicht gemacht, aber nicht anders gekonnt, so Andrea Hansen, nachdem ihr die knapp 400 Unterschriften übergeben worden waren. Sie wisse, dass die Erhöhung nicht ankomme. Uetersen aber habe vor zwölf Jahren einen so massiven Einbruch bei der Gewerbesteuer gehabt, dass man nun in der Klemme stecke und ohne die Landeshilfen nicht mehr auskomme. „Uns tut die Steuererhöhung Leid!“

Das Bekenntnis wurde von Seiten der Hundefreunde mit einem kräftigen „Buh!“ quittiert. Die Anwesenden Politiker ergriffen nicht das Wort. Verteilt wurde jedoch die Anfrage der SPD-Fraktion zur Möglichkeit, in Uetersen einen Hundeplatz einzurichten. Ebenfalls verteilt wurden die Antworten der Verwaltung. Dieter Schipler, Vorsitzender des Umwelt- und Kleingartenausschusses, sagte im UeNa-Gespräch, dass die Hundefreunde nun am Zug seien. Sie sollten der Politik jetzt einen Platz nennen, den sie sich als Hundeplatz vorstellen könnten. Schon am Sonnabend waren viele Stimmen zu hören, die sich ein Areal in Langes Tannen wünschen.

Die Forderung nach einer geeigneten Auslauffläche im Stadtgebiet ist jedoch nicht alleine Antrieb der Protestierenden gewesen. Nach Information der Hundehalter hat Kiel nur die Steuerhöhe für den ersten Hund vorgegeben. Warum also eine Strafsteuer auf Zweit- und Dritthunde? Geklärt werden konnte das am Sonnabend nicht. Die Politiker werden diesen Punkt aber mit Sicherheit aufgreifen. Weiterhin fordert die „Uetersener Hundebewegung 2013“, wie sich der Zusammenschluss der Protestierenden inzwischen nennt, die Einführung einer sozialen Komponente, bei der insbesondere Hundehalter berücksichtigt werden, die von der Einkommensseite benachteiligt sind.

Nach etwa einer halben Stunde löste sich die Demonstration auf. Die Herrchen und Frauchen hoffen nun, dass es sich bei den politischen Versprechen, sich um einen Hundeplatz zu kümmern, nicht um bloße Lippenbekenntnisse gehandelt hat. Es sei ja schließlich Kommunalwahlkampf. So haben sie jetzt insbesondere den 6. Mai im Blick, den Tag der nächsten Umweltausschusssitzung im Rathaus. Dann könnte durch konkrete Beschlüsse zumindest ein Hundeplatz auf den Weg gebracht werden.

Dieter Schipler hofft auf weitere Rückmeldungen. Für den BfB-Ratsherrn Klaus Seidler steht fest, dass ein solcher nur am Stadtrand angesiedelt werden könnte. Andreas Stief, Chef der CDU-Fraktion, sagte im UeNa-Gespräch, dass viele nach wie vor nicht wüssten, dass es von Uetersen aus zahlreiche Bemühungen in Richtung Kiel mit dem Ziel gegeben habe, die Auswirkungen für die Stadt hinsichtlich des Konsolidierungsfonds abzumildern. Man sei aber gescheitert. „Wir haben versucht, Einfluss zu nehmen. Wir haben das nicht einfach hingenommen.“ Die CDU-Fraktion werde nun die Lage bewerten und in der Fraktion beraten, was getan werden könne.

Darüber hinaus warb Stief für eine nicht nur punktuelle Teilhabe der Bürger an dem Geschehen in ihrer Stadt. Das Prinzip der Selbstverwaltung müsse deutlich werden. Es gebe kein „wir“ und kein ihr“, es gebe nur ein „uns“. Stief, und darin fanden sich auch die anderen Parteien wieder, sagte, dass diese geballte Kompetenz der Hundefreunde in der Lage sein müsse, auch andere Themen voranzubringen. Vielleicht gelinge es ja, den einen oder anderen für die Mitarbeit in der Kommunalpolitik zu begeistern. Impressionen der großen Hunde-Demo in Uetersen gibt es auf unserer

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