Lesung : Ein Star und Freund

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„Mr. Tagesschau“ las in Uetersen. Als Wilhelm Wieben am Freitag im „Haus am Rosarium“ auftrat, war der Ansturm groß.

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04. Februar 2013, 21:12 Uhr

Fast jeder Platz im Saal war besetzt. Einmal dem langjährigen Tagesschausprecher persönlich gegenüber zu sitzen, das ließen sich zahlreiche Menschen aus Uetersen und Umgebung nicht entgehen.

Die sonore Stimme, der seriöse Auftritt, die ruhige Ausstrahlung – für viele ist Wieben ein guter alter Bekannter. Von 1973 bis 1998 las er in der ARD-Tagesschau die Nachrichten. Am Freitag stand zwischen dem 77-Jährigen und seinen Fans keine Mattscheibe mehr. Doch die hatte für einige Fernsehzuschauer früher offensichtlich keine Rolle gespielt. So zitierte Wieben zu Beginn der Lesung aus seiner Fan-Post die Bitte: „Gucken Sie morgen nicht so genau hin: Wir renovieren.“ Eine Dame gestand, dass sie ihr Fußbad vor dem Fernseher verschoben hätte, wenn sie vorher gewusst hätte, dass Wieben an dem Abend Dienst hatte. Das Publikum im „Haus am Rosarium“, darunter Bewohner wie auch viele externe Gäste, war amüsiert. Mit Essays, Gedichten und Kurzgeschichten deutscher Schriftsteller unterhielt Wieben seine Zuhörer anschließend. Während der ersten halben Stunde trug er Werke von Kurt Tucholsky wie „Die fünfte Jahreszeit“ und „Der schiefe Hut“ und das Gedicht „Das Ideal“ vor. Nach der Pause las er Texte von Erich Kästner, Marion Gräfin Dönhoff und Theodor Fontane.

Der Organisator Heinz Kubik war zufrieden. „Das Haus ist voll. Der Besuch ist wunderbar“, sagte er. Als Kurator des Seniorenheims hatte er zum sechsten Mal einen Kulturabend in der Einrichtung organisiert. Sieben Sponsoren ermöglichten den freien Eintritt. In Trachten gekleidete Vertreter des Vereins für Sammlung und Erhalt historischer Gegenstände in Haselau begrüßten die Besucher mit Äpfeln. Ein Schüler des Ludwig-Meyn-Gymnasiums spielte Klavier. Zum Abschied durfte jeder Gast einen Piccolo mit nach Hause nehmen. Kubik stellte fest: „Das wird tatsächlich ein Kulturhaus für Uetersen.“

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