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Wasserbeschaffungsverband : Ein Schaden und keiner ist verantwortlich

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Als die Familie Soldner Ende September aus dem Urlaub kommt und die Tür ihres Hauses aufschließt, erlebt sie einen Schock. Es stinkt muffig. Die Tapeten wellen sich und Schimmel hat sich gebildet. Barbara Müggenburg-Soldner erleidet einen Nervenzusammenbruch und ihr Mann Knut befindet sich seitdem in einem Kampf mit dem Wasserbeschaffungsverband Haseldorfer Marsch (WBV), der aus seiner Sicht den Schaden verursacht hat, und dessen Haftpflichtversicherung, der Provinzial Nord.

2004 hatte die Familie das Haus am Großen Ring bauen lassen. 2010 gab es erste Feuchtigkeit im Mauerwerk. „Da dachten wir noch, der sehr kalte und schneereiche Winter sei der Auslöser gewesen“, erklärt Soldner. Denn im Sommer war sie wieder verschwunden. Doch die Feuchtigkeit kam wieder. Fachleute wurden von der Familie Soldner beauftragt, doch sie fanden die Ursache nicht.

Denn sie lag nicht im Haus, sondern es war ein Rohr unter der Sohle des Einfamilienhauses. „Nachdem wir aus dem Urlaub gekommen waren, sind vier Ortungsfirmen und ein Gutachter durchs Haus gegangen“, erklärt der Heistmer, „ohne Ergebnis.“ Nach vier Wochen kam ihnen der Zufall zu Hilfe. Verkleidungen im Badezimmer waren abgeschlagen worden. Ein Handwerker zog ein Abwasserrohr heraus. Erst lief Wasser ab, dann sprudelte es wieder heraus. Wasser drang ein, das sich unter dem Haus befindet.

Recherchen ergaben, dass der Beschaffungsverband 1959 eine Leitung zu einem Behelfsheim über das heutige Grundstück der Familie gelegt hatte. Das belegen Pläne des WBZ. 2000 ist ein Doppelhaus neben diesem Grundstück gebaut worden. Damals gab es die Leitung in den Zeichnungen noch. Als die Soldners 2004 ihr Haus bauten, war sie aus den Plänen verschwunden.

Doch darum ist Streit entbrannt. WBZ-Geschäftsführer Thorsten Möller lud den damaligen Rohrnetzmeister zu einem Gespräch ein. Der meinte sich zu erinnern, dass die Baufirma von Soldner keine Leitungsanfrage an den Zweckverband gestellt hatte. Der mittlerweile pensionierte Meister erklärte, ihm wäre aufgefallen, dass eine Leitung auf dem fraglichen Grundstück verläuft, wenn er gefragt worden wäre.

Dies teilte Möller per Mail seinem Haftpflichtversicherer mit. Nun sieht die Provinzial „Anhaltspunkte“ für ein Mitverschulden des Anspruchstellers, der Familie Soldner, wie sie den Uetersener Nachrichten in einer schriftlichen Stellungnahme mitteilt. Die Kieler Versicherung ist der Meinung, sie sollte Architekt und/oder Baufirma in Anspruch nehmen. Er hält dem entgegen, dass die von ihm beauftragte Sanitärfirma beim WZV einen Wasserantrag gestellt hatte. In den zurückgesandten Papieren ist die Leitung zum mittlerweile abgerissenen Behelfsheim nicht aufgeführt. „Diese Unterlagen haben nichts mit den von uns verlegten Rohren zu tun“, sagt dazu Möller auf UeNa-Anfrage. Soldner sieht noch aus einem zweiten Grund ein Verschulden des Wasserbeschaffungsverbandes. Nicht aufgefallen ist weder beim Hausbau 2004 noch bei einer Abdrückaktion 2011, dass sich direkt neben dem Schieber für die Wasserleitung zu den Söldners ein zweiter Absperrhahn befindet. Auf sie wird mit zwei blauen Schildern am Straßenrand hingewiesen. Der zweite Schieber gehört zur Wasserleitung des Behelfsheimes, das 1959 gebaut wurde.

Die Familie steht vor dem Ruin. Das Haus (Preis 2004: 250000 Euro) ist teilweise unterspült. Es gibt Setzungen, wovon Risse in den Mauern zeugen. Untersuchungen über den Zustand des Hauses stehen aus. Schlimmstenfalls muss abgerissen werden. Rechnungen über 10000 Euro für Gutachter und Ortungsfirmen liegen nach Aussage von Soldner auf seinem Schreibtisch. Der steht mittlerweile in einer gemieteten Wohnung auf der anderen Straßenseite.

Sauer ist er vor allem auf den Wasserbeschaffungsverband: „Wenn ich einen Schaden verursache, dann kümmere ich mich darum, dass er behoben wird.“

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erstellt am 21.Dez.2012 | 21:50 Uhr

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