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Uetersener Nachrichten

11. Dezember 2017 | 03:41 Uhr

Marderhund : Ein Räuber erobert die Marsch

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Dieser Einwander ist nicht gern gesehen. Eine beachtliche Population von Marderhunden haben Jäger bei Recherchen via Videofallen in der Haseldorfer Marsch ausgemacht. Die aus Sibirien und China eingewanderten Räuber dezimieren nicht nur den heimischen Tierbestand, sondern könnten auch Raubwild verdrängen.

shz.de von
erstellt am 31.Mär.2015 | 18:55 Uhr

2008 gelang es dem damaligen Hegeringleiter Rainer Behnke ein Paar zu töten. Er ging zu dieser Zeit davon aus, dass es sich um einzelne Einwanderer handelt.

Doch diese Zeiten sind längst vorbei. Die Jäger Dr. Helmut Fricke und Hans-Jürgen Schuldt haben an zehn Plätzen in der Marsch Videokameras aufgestellt, um die Existenz dieser Tiere näher zu erkunden. Zu ihrer eigenen Überraschung mussten sie feststellen, dass der Vierbeiner in alle Kamerafallen tappte. Ausgesucht hatten sie Plätze, bei denen anzunehmen war, dass Marderhunde sie interessant finden könnten, wie die Bereiche um Fuchs- und Dachsbaue, alte Obstbaumstreifen und Übergänge über Wasserläufe.

„Bezogen auf die ganze Haseldorfer Marsch, dürften hier 50 bis 100 Marderhunde leben“, so Dr. Fricke, der dies jedoch bewusst als „Schätzung“ kennzeichnet. Auf diese hohe Zahl kommt er, weil er die potenziell attraktiven Aufenthaltsorte für den Neozen in der Marsch kennt und davon ausgeht, dass alle von einem Paar besetzt ist.

Die beiden Jäger befürchten einen weiteren Rückgang dieses Niederwildes, wie Hase, Fasan und Rebhuhn sowie der Bodenbrüter wie Kiebitz und Lerche. Wieweit der Marderhund auch heimische Raubwildarten verdrängt, ist noch nicht zu beurteilen. Er versucht jedoch gerne, Fuchs- und Dachsbaue zu besetzen, da er selber keine Erdhöhlen baut.

„Für den Jäger ist es fast ein aussichtsloses Unterfangen, Nachts gerade an den Stellen zu sein, wo der Marderhund auftaucht und er bejagt werden könnte“, erklärt Dr. Fricke. Aus seiner Sicht ist die Fallenjagd die einzige Möglichkeit, die jedoch politisch umstritten ist. „Ein Problem“ sieht auch der Nabu-Schutzgebietsbetreuer Uwe Helbing für die Haseldorfer Marsch durch den Neozen. Marderhunde sind eine Bedrohung für Wiesenvögel. Der amerikanische Nerz, Mink genannt, dezimiert die Wasservogelpopulation. Zurückhaltend reagiert Helbing auf die Schätzung der Jäger. 50 bis 100 Marderhunde in der Haseldorfer Marsch könnten sein, jedoch ist die Zahl aus der Sicht des Biologen „zu spekulativ“.

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