Einweihung des Gemeindehauses : Ein neues Zuhause für die Aleviten

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Die Aleviten im Kreis Pinneberg haben ein neues Zuhause. Am Sonntag wurde das Gemeindehaus am Großen Sand 74 eröffnet. Seitens der Stadt dabei war Bürgervorsteher Adolf Bergmann. Die Kaufmannschaft (IHG) war durch Jutta Lavorenz vertreten. Gemeindevorsteher ist Süleyman Yilmaz.

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26. Mai 2015, 21:28 Uhr

Das Alevitentum wird gewöhnlich zu einer Glaubensrichtung innerhalb des schiitischen Islams gezählt. Sein Ursprung liegt viele Jahrhunderte zurück. Kurz nach Muhammads Tod war ein heftiger Streit über dessen Nachfolge ausgebrochen, der im Jahre 680 in einen Krieg mündete und die Muslime in verschiedene Gruppen spaltete. Die Schiiten forderten damals, dass Ali Ibn Abi Talib, Cousin und Schwiegersohn des Propheten, Kalif werden sollte; die Sunniten waren dagegen. Die islamische Welt teilte sich in sunnitische und schiitische Regionen. Als im 13./14. Jahrhundert turkmenische Stämme nach Anatolien einwanderten, verschmolz dort die Verehrung Alis mit mystischen und anderen Glaubensvorstellungen – das Alevitentum entstand. Die Glaubenslehren der Aleviten unterscheiden sich von denjenigen der Sunniten und auch der Schiiten in vielen Punkten. Einige Inhalte, Traditionen und Geschichten leiten sich aus dem (schiitischen) Islam ab. Vieles stammt jedoch auch aus anderen Religionen wie dem Zoroastrismus, dem Christentum oder längst verschwundenem Volkstum.

Der Mensch ist, nach Auffassung der Aleviten, für sein Schicksal selbst verantwortlich. Aleviten betonen die wechselseitige Liebe zwischen Gott und den Menschen und betrachten die Erlangung eines vollkommenen Zustands als Lebensziel (40 Stufen gilt es dabei zu überwinden). Moralvorschriften des Alevitentums sind die Kontrolle menschlicher Bedürfnisse, Triebe und Gefühle. Töten, Stehlen, Lügen und Ehebrechen sind verboten; Nächstenliebe, Hilfsbereitschaft und Bescheidenheit sind hingegen erwünscht. Das regelmäßige Gebet kennen die Aleviten nicht, nach ihrer Auffassung kommt es auf die Intensität der Beziehungsaufnahme zu Gott an.

Männer und Frauen sind gleichberechtigt, Frauen tragen kein Kopftuch. Das gemeinsame Musizieren nimmt eine zentrale Rolle bei Zusammenkünften ein. Wie Gemeindeleiter Yilmaz betonte, verstünden sich die Aleviten als Teil dieser Gesellschaft. Man bringe sich gerne in diese ein. Der Bürgervorsteher betonte, dass Uetersen einen offenen Dialog mit allen Glaubensgemeinschaften führe und die Aleviten daher herzlich willkommen in der Rosenstadt seien.

Der offizielle Teil wurde mit einem gemeinsamen Essen beendet.

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