Schultraining in Uetersen : Ein Modell, das Schule macht

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Es gibt Kinder, die sind einfach nicht zu bändigen. Sie gelten als nicht unterrichtsfähig. Was tun? Sie sind schulpflichtig, verweigern sich aber. Ins Heim mit ihnen? Wegschließen? Aufgeben?

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13. Februar 2013, 20:19 Uhr

Pädagogen in Uetersen suchten 2008 nach einem anderen Weg und hoben das „Kooperative Schultraining Uetersen“ aus der Taufe. Kooperanten dabei sind die Awo (Jugend- und Familienhilfe am Hus Sünnschien) und mehrere Uetersener Schulen. Als Kostenträger des Schultrainings konnten das Land und der Kreis über den Fachbereich der Jugendhilfe gewonnen werden.

Beim Schultraining handelt es sich um eine präventive Maßnahme, vermieden soll der stationäre Aufenthalt. Und das auch aus Kostengesichtspunkten. Präventive Ansätze sind vergleichbar kostengünstig. Das lehrt die Erfahrung. Doch wie erfolgreich sind sie? Dirk Loßack, Staatssekretär im Bildungsministerium, nahm sich kürzlich die Zeit, um sich in Uetersen (ehemalige Räume der Rettungswache an der Bleekerstraße) über die Maßnahme informieren zu lassen, die sich inzwischen etabliert hat. Und natürlich wollte der Kieler auch wissen, wie erfolgreich man vor Ort arbeitet.

Die vor der Maßnahme vereinbarten Wirkungsziele werden bei rund 80 Prozent der Schüler erreicht. Diese Kinder können also wieder am Schulalltag teilnehmen. Eine Quote, die nicht nur richtig gut sei, sondern landesweite Beachtung verdiene, so der Staatssekretär. Denn überall im Land gibt es Schüler, die einen so hohen Förderbedarf aufweisen, dass sie als quasi nicht beschulbar eingestuft werden müssen.

Wie ist der Erfolg bei recht geringem Finanzbedarf zu erklären? Viele Schüler, die als besonders auffällig eingestuft werden, leiden unter Angststörungen, Störungen des Sozialverhaltens, Depressionen und ADHS. Die Mädchen und Jungen haben langjährig zerstörte schulische und familiäre Biografien vorzuweisen und sind von vollständiger sozialer Desintegration bedroht. Die Zahl der Betroffenen ist ansteigend.

Wird ihnen nachhaltig Wertschätzung zuteil, verlieren viele Defizite ihren Stellenwert. Erreicht wird das mithilfe von verschiedenen pädagogischen Methoden, wobei die Sozialpädagogen, Sozialarbeiter und Lehrer. Verschiedene Systeme arbeiten hier gleichberechtigt zum Wohle des Kindes zusammen – als ein funktionierendes Team ohne störendes Kompetenzgerangel.

Diese Förderung und schulische Reintegration von Kindern und Jugendlichen mit sozial-emotionalem Förderbedarf hat bereits Schule gemacht. Bis 2014 soll, so Schulrat Dirk Janssen, der am Vor-Ort-Termin an der Bleekerstraße teilgenommen hat, das Schultraining als Teil eines gestuften Unterstützungssystems im gesamten Kreis Pinneberg angeboten werden. Nach dem erfolgreichen Uetersener Muster.

Der Staatssekretär stimmte der Aussage des Schulrates zu, dass das Konzept darüber hinaus auch auf andere Regionen übertragbar ist. Am Schultraining können jeweils maximal zwölf Kinder teilnehmen. Die Verweildauer beträgt zwischen zehn und 18 Monaten.

24 Schüler haben das Schultraining in Uetersen bereits durchlaufen, und noch heute suchen viele dieser Mädchen und Jungen die Räume an der Bleekerstraße gerne auf. Sie sind dort herzlich willkommen, sind doch auch sie in der Lage, als ein gutes Beispiel positive Prozesse bei den Jugendlichen in Gang zu setzen, die sich derzeit im Schultraining befinden. Beim Schultraining kommen verschiedene pädagogische Ansätze zum Tragen. Unter anderem auch die „Tier-Pädagogik“.

Durch das Tier erfahren die Kinder Vertrauen und Selbstvertrauen, das Selbstwertgefühl wächst und mit ihm die Selbständigkeit.

Die elementaren Erfolgserlebnisse wirken sich positiv auf das Problem- und Konfliktlösungsverhalten aus.

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