Jubiläum : Ein Leben für den Gesang

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Wenn sich die Mitglieder des Männergesangvereins „Concordia Hohenhorst“ am Donnerstag zu ihrer Jahresversammlung treffen, gibt es eine große Ehrung für einen Sänger. 60 Jahre ist Dieter Günther aktiv im Chor. Einigen Marschmern ist bekannt, dass der gebürtige Berliner einst Polizeibeamter war. Doch nur ganz wenige wissen, dass der heute 77-Jährige auf dem Weg war, Opernsänger zu werden.

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26. Januar 2015, 20:30 Uhr

Seine Familie kam ursprünglich aus Wismar, wo er nach dem Zusammenbruch der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft eine Lehre als Schiffbauer machte. Politisch war er mit den neuen Machthabern alles andere als einer Meinung. Es drohte Ärger, vor dem er über Berlin nach Westdeutschland floh.

Über den zweiten Mann seiner Mutter – der erste war als Offizier im Zweiten Weltkrieg gefallen – kam Dieter Günther nach Haselau. Hermann Brauer war Apfelbauer und Vorsitzender der Concordia. Er nahm den 17-Jährigen mit zum Chor, wo er nicht nur der mit Abstand Jüngste war, sondern auch gleich mit seinem vollen und harmonischen Bass auffiel.

Geleitet wurde der Chor von Günter Kolodziej, der das junge Talent erkannte und förderte. Dieter Günther trat schon bald als Solosänger mit dem Chor auf. In dem jungen Mann wuchs der Wunsch, die Sängerlaufbahn einzuschlagen. Eineinhalb Jahre nahm er Unterricht bei einer Musikprofessorin in Hamburg.

Der ambitionierte junge Mann schaffte es zu einem Vorsingen in der Hamburger Staatsoper. Dass sich Dieter Günther für ein Studium qualifiziert hat, dokumentieren Urkunden mit den Unterschriften von Intendant Rolf Liebermann und dem da- mals berühmten Sänger Karl Otto.

Doch dann schlug die Liebe zu. Dieter Günther lernte seine heutige Frau Tamara kennen. Ihr Vater war ein gestandener Tischlermeister und hätte einen Opernsänger als Schwiegersohn nie akzeptiert. Die Entscheidung fiel gegen die Bühnenkarriere und für das Herz.

Beruflich setzte der 27-Jährige auf die Polizei. Zudem machte Dieter Günther den Gesang zu einem intensiven Hobby. Als Solist trat er zusammen mit dem Spitzerdorf-Schulauer Männergesangverein beim Hafenkonzert auf. Die Moorreger Karnevalisten engagierten ihn als Hofsänger und Kellermeister.

Dieter Günther sang bei zahlreichen Bällen, mit den „Donna Claras“ sowie Trauerfeiern und Geburtstagen. Bei den Concorden engagierte er sich nicht nur weiter als Sänger, sondern auch 13 Jahre als Vorsitzender sowie seit 1988 als zweiter Vorsitzender. Der Verein machte ihn 1996 zum Ehrenvorsitzenden.

Am Herzen liegen ihm besonders die alten russischen Weisen sowie Wein- und Seemannslieder. Die kennt der Bass natürlich auswendig, weil man sich als Chormitglied während des Konzerts eben voll auf den Dirigenten konzentrieren soll. „Singen ist wichtig für Leib und Seele“, steht für Dieter Günther fest. „Es macht Freude und man gewinnt immer wieder neue Freunde.“

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