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Pferdesport : Ein kleiner Gentleman mit Erfolgsbilanz

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Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Er hört auf den lustigen Namen Meintse G und ist ein junger Kerl mit wirklich attraktiven Eigenschaften: sensibel, zurückhaltend, humorvoll und stets darauf bedacht, seinen Damen zu gefallen. Darüber hinaus hat er wunderschöne Gesichtszüge und große, dunkle Puppenaugen. „Meintse G“ wäre vermutlich der Traum aller Frauen, wäre er nicht ein Pferd, genauer ein Friese.

shz.de von
erstellt am 22.Jul.2013 | 20:18 Uhr

Aber auch so hat der neun Jahre alte Rappe eine Menge Fans, allen voran seine Züchter und Besitzer Edeltraut und Wilfried Gottschling sowie seine Reiterin Nicole Becker. Sie lieben das charismatische Pferd auch, weil es sich allen Unkenrufen zum Trotz in der deutschen Dressurszene etablieren konnte.

Dabei waren dem Friesen wegen seiner Rasse (sie gelten bis heute als Wagen- und Arbeitspferde und damit als für den Sport ungeeignet) höchstens Außenseiterchancen eingeräumt worden. Und eigene Friesen-Turniere gibt es hierzulande kaum. „Höchstens einige in Süddeutschland und sonst eben in Holland. Aber wer will seinem Pferd denn andauernd diese strapaziösen Reisen zumuten?“, stellte Edeltraut Gottschling eine eher rhetorische Frage.

Friesen gehören zu den ältesten Pferderassen Europas und stammen ursprünglich aus den Niederlanden. Bis heute ist Holland deshalb das Zentrum der Friesenzüchter weltweit. Hier werden die Turniere für die Tiere ausgerichtet, im niederländischen Drachten liegt auch das Zuchtbuch.

Wer mit seinem Friesen die notwendigen Turnierpunkte sammeln wollte, um das begehrte holländische Sportprädikat, eine der höchsten Auszeichnungen für Friesen, zu bekommen, konnte das Ziel nur durch die Teilnahme an Wettkämpfen im europäischen Nachbarland erreichen.

Lange kämpften die Gottschlings erfolglos für eine Anerkennung in Deutschland gesammelter Turnierpunkte. Und mussten sich auch noch mit den Vorurteilen vieler Wertungsrichter gegen die Rasse der Friesen auseinandersetzen. „Wir haben die Teilnahme an den gängigen Turnieren eigentlich aus der Not heraus ins Auge gefasst.“ Weil es hierzulande kaum Friesenturniere gibt, musste sich der kleine Gentleman, wie Edeltraut Gottschling ihn liebevoll bezeichnet, gegen die großen und filigraneren Holsteiner und Hannoveraner durchsetzen.

„Wir haben uns deshalb anfangs auch nicht wirklich viele Hoffnungen gemacht und bekamen oft trotz Topleistungen des Pferdes schlechte Wertungen“, sagte Edeltraut Gottschling. Die Richter konnten oder wollten sich von dem Image als Arbeitspferd nicht losmachen, übersahen das Potenzial des Wallachs.

Reiterin Nicole Becker allerdings ließ sich von hämischen Kommentaren nicht beirren, tauchte immer wieder auf Turnieren auf und freute sich darüber, wie hervorragend ihr Pferd seine Sache machte. Und sie erlebte bald auch rührende Augenblicke, etwa wenn Meintse am Rande eines Turniers von begeisterten Pferdefreunden umringt wurde, Zuschauer lautstark bessere Noten für ihn einforderten oder ein Richter ihm ein imposantes Auftreten bescheinigte.

In diesem Fall hat sich Leistung also durchgesetzt. „Ich sehe das so, dass unsere Friesen für andere in Deutschland den Boden bereiten“, so Edeltraut Gottschling, die damit auch Meintses Halbbruder „Coljin G“ meinte, auch ein sportlicher Friese.

Dass „Meinste G“ nun außerdem hinter seinem Namen den begehrten Zusatz „Sport“ tragen darf und seine in Deutschland gesammelten Turnierpunkte in Holland endlich anerkannt wurden, ist ein weiterer Erfolg dieses erstaunlichen Tieres. Allerdings hatte er beim Überspringen dieser bürokratischen Hürden menschliche Schützenhilfe. Eine in Deutschland lebende holländische Pferdenärrin mit großem Herz für Friesen setzte sich für eine Veränderung ein und wurde endlich erhört.

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