Konzert : Ein Geniestreich auf Saiten

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Gibt es irgendjemanden, der aus dem Artemis-Quartett, das im Haseldorfer Rinderstall im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festivals (SHMF) ein gewohnt großes Publikum begeisterte, ganz besonders herausragt? Ist es der fantastische Cellist Eckart Runge, die brillante Geigerin Vineta Sareika, der großartige Bratschist Friedemann Weigle oder der beeindruckende empfindsame Geiger Gregor Sigl?

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19. August 2014, 22:20 Uhr

Jeder einzelne der vier Künstler war ganz individuell hochklassig wahrzunehmen, alle gaben sich gegenseitig Raum, doch zusammen ist das Quartett mit seiner ungeheuren Präzision ganz einfach genial.

Das Programm schien den Vieren wie auf den Leib komponiert. Wolfgang Amadeus Mozart hätte sich die Interpreten seines fröhlichen Streichquartetts in G-Dur, Köchelverzeichnis 387 nicht besser aussuchen können. Felix Mendelssohn wäre begeistert gewesen, hätte er sein dramatisches Streichquartett f-Moll op. 80 so gehört, und Ludwig van Beethoven hätte sein schwermütiges Streichquartett in cis Moll op. 131 bestimmt gern im Rinderstall miterlebt. Selbst der auf das Dach prasselnde Regenschauer harmonierte bei Mozarts quicklebendig perlenden Tönen als feiner Hintergrund, zum ersten Mal in dieser Saison war in Haseldorf der Regenschirm das wichtigste mitgebrachte Utensil.

Dem Quartett im schwarzen Outfit, Vineta Sareike mit atem- beraubendem Ausschnitt und spitzenbesetztem, breitem Saum über den hübschen Beinen, war auch anzusehen, dass ihre Musik und das perfekt aufeinander abgestimmte Miteinander ihnen Freude bereitet – auch dieser Anblick veranlasste das Publikum im nahezu ausverkauften Haus zu Bravo-Rufen und tosendem Applaus. Perfektion zeichnet auch die Gesamtorganisation bei jedem Konzert in Haseldorf aus, so sei wieder einmal die örtliche Feuerwehr gelobt, die die Parkplatzsituation überlegen regelt und den Hamburger, Wedeler und Pinneberger Gästen Tipps mit auf den Heimweg gab, wie sie die wegen eines Lkw-Unfalls gesperrte Straße von Hetlingen nach Holm am besten umfahren.

Gastgeber Udo Prinz von Schoenaich-Carolath-Schilden betonte nach dem Konzert vor geladenen Gästen im Künstlertreff, wie sehr er sich freue, dass die Welt nach Haseldorf komme und die Menschen aus der Region nicht ausschwärmen müssten, um solche Kunstgenüsse zu erleben.

Wie sehr das von allen geschätzt wird, zeigte auch seine illustre Gästeliste. Unter den Besuchern befanden sich beispielsweise der neue japanische Konsul Yasushi Fukagawa und dessen Frau Tomo Yasushi sowie der Honorarkonsul von Bangladesch, Walter Stork und dessen Frau Greta.

Besonders herzlich begrüßte der Hausherr Seine Königliche Hoheit Franz Wilhelm Prinz von Preußen, der ebenfalls gern seit vielen Jahren während des Schleswig-Holstein Musik Festivals bei seinem Bruder vorbeischaut und die Kulturgenüsse mit ihm teilt.

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