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Ratsversammlung : Ein drolliges Kerlchen oder besonders? Kein Kommentar!

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Heute wird’s speziell. Heute wird in die Sache selbst eingetaucht. Des Wortes tiefere Bedeutung muss ans Licht der Öffentlichkeit. Hintergrund für diese etymologische Vorgehensweise ist eine Begebenheit (um nicht sagen zu müssen: Vorfall) während der Sitzung der Ratsversammlung.

shz.de von
erstellt am 24.Mär.2015 | 21:03 Uhr

Nun hat der gefällige Besucher solcher Zusammenkünfte schon so einiges erleben dürfen. Doch die Geschichte, die sich am Montagabend zutrug, war neuartig.

Ratsherr Jan Baumann hatte sich schick zurecht gemacht. Beziehungsweise kreativ. In künstlerischer Art und Weise hat sich der Sozialdemokrat ein Papier-T-Shirt erarbeitet und dieses beschriftet. „Ich bin Herrn Stief suspekt“ stand auf der Brustseite. „. . .und keiner Antwort würdig“ konnte lesen, wer sich die Rückenpartie des Politikers ansah. Der uneingeweihte Leser darf nun zurecht den Sinn dieser Aktion, die im Übrigen keinen Verstoß gegen die Gemeindeordnung darstellen dürfte, hinterfragen.

Andreas Stief, Fraktionsvorsitzender der CDU-Fraktion, hatte während einer Veranstaltung der „Älteren Freunde“ im Parkhotel Rosarium am 3. März gesagt, dass Sozialdemokraten überall speziell zu sein scheinen, in Uetersen sogar suspekt seien. Insbesondere war es nun Jan Baumann, der gerne erfahren hätte, was Stief damit gemeint hatte. Doch die vielen E-Mails seien unbeantwortet geblieben. So kam es zu der Aktion am Montagabend. Aber auch da schwieg Stief.

Die UeNa wollten Näheres erfahren – der Christdemokrat gab sich im Gespräch ebenfalls wortkarg. „Kein Kommentar!“, so lautete sein Statement.

Gewissermaßen handelt es sich dabei um ein Paradoxon, da Stief in der Tat einen Kommentar von sich gegeben hat, aber damit das Gegenteil aussagen will, nämlich sich nicht äußern zu wollen. . .

Und nun zu des Pudels Kern. Was heißt eigentlich suspekt? Verdächtig, zwielichtig, lichtscheu, so wie Jan Baumann es übersetzt hatte? Möglich. Zunächst erst einmal bedeutet das lateinische Wort „suspectus“ tatsächlich verdächtig.

Also sind Sozialdemokraten verdächtig? Per se? „Kein Kommentar!“, so musste Baumann durchhalten und die gesamte Ratssitzung plakativ begleiten. Suspekt, das muss aber nicht zwangsläufig durchgehend negativ sein. Zumindest darf das der Liste der Synonyme entnommen werden. Dort heißt es, dass suspekt auch sinnverwandt mit „exzentrisch“, „drollig“ und – „besonders“ ist. Letzterer Begriff macht jetzt Mut. „Besonders“ ist durchaus ein Begriff mit positiver Bedeutung. „Kein Kommentar!“ Stief war nicht zu erweichen, Baumann auch nicht, wie Bürgervorsteher Adolf Bergmann kommentierte, als er zu Beginn der Ratssitzung feststellte, Jan Baumann sei uneinsichtig. Seiner Bitte, das Leibchen abzunehmen, habe er nicht entsprochen. Der Bürgervorsteher genervt in alle Richtungen: Ob so etwas nun Schule machen solle, sollten die Fraktionsvorsitzenden einmal unter sich klären.

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