Geschenk : Ein Dorf exportiert seine Kultur

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Er ist etwa acht Meter lang und wird bald 1240 Kilometer weit reisen. Zum 20-jährigen Bestehen der Partnerschaft mit Challes wollen Heidgrabener ihren französischen Freunden einen Kranz schenken – so wie es in Deutschland bei besonderen Hochzeitstagen guter Brauch unter Nachbarn ist.

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09. Juli 2014, 21:21 Uhr

„Das ist unser Kulturexport“, sagte Antje Friedrich vom Förderverein Challes et Heidgraben kürzlich beim Kranzbinden am Gemeindezentrum. Mehr als 20 Unterstützer halfen. 37 Heidgrabener wollen das französische 1200-Seelendorf von Sonnabend, 12. Juli, bis Sonnabend, 19. Juli, besuchen. Sie feiern in Erinnung an die Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrags am 6. August 1994 in Heidgraben.

Da der 20. Jahrestag einer Ehe auch Porzellanhochzeit heißt, werden im Kranz Tassen und ein besonderer Teller befestigt. Julia Engelbrecht, Tochter von Marion und Julius Sörensen, hat darauf die Zahl „20“, die Länderflaggen sowie den Schriftzug „Challes et Heidgraben“ gemalt.

Außerdem wollen die Deutschen im Partnerdorf poltern. Das hat nicht nur bei der grünen, sondern auch bei der Porzellanhochzeit Tradition. „Innerhalb einer 20-jährigen Ehe ist einiges an Geschirr kaputt gegangen“, erläuterte Friedrich. Am Jahrestag werde der Rest zerschlagen, damit dann neues gekauft werden kann. „Aber es hat wenig zerbrochenes Geschirr in unserer Partnerschaft gegeben“, betonte sie.

Der Kranz soll über der Tür des Gemeindesaals von Challes aufgehängt werden – „mit Schnaps und Reden“, kündigte Friedrich an. Die Heidgrabener wollen Lieder anstimmen und einen Cancan-Tanz vorführen. Wenn das Dorf am 14. Juli den französischen Nationalfeiertag mit Essen, Fackellauf und Feuerwerk begeht, dürfen die Heidgrabener mitfeiern.

Während der Woche werden Jugendliche aus beiden Orten gemeinsam an einem Projekt zum Thema „Erinnerungen“ arbeiten. Sie wollen einen Ausflug in die Normandie nach Caen unternehmen und eine Kriegs-Gedenkstätte besuchen. „Wir halten es für ganz wichtig, darüber zu sprechen“, sagte Irmgard Voß, Vorsitzende des Fördervereins. Nur durch Ehrlichkeit könne die Aufmerksamkeit von Kindern und Jugendlichen gewonnen werden. Die Partnerschaft hat den Nachwuchs der Dörfer geprägt. Friedrich ist sich sicher: „Es wäre schwierig, Jugendliche, die am Austausch teilgenommen haben, dazu zu bewegen, aufeinander zu schießen“, sagte sie im Hinblick auf den Jahrestag des Ersten Weltkriegs und die damals in jungem Alter gefallenen Soldaten. Etwa die Hälfte der 37-köpfigen Abordnung aus Heidgraben sind Jugendliche ab 13 Jahren.

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