Ein Chor ringt um sein Liedgut

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Pop-Musik oder Volksweisen? Soll die Heidgrabener Liedertafel eher Titel wie „Sailing“ von Rod Stewart oder Traditionelles wie „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“ singen? Diese Frage haben die Mitglieder während ihrer jüngsten Jahresversammlung lebhaft diskutiert. Für Chorleiterin Regine Winkler-Kopper ist klar: „Ich denke, wir müssen auch nach dem Trend gehen und gucken, dass wir Sänger dazubekommen.“

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25. Februar 2013, 21:23 Uhr

Doch viele Mitglieder sahen das anders. Vorsitzende Helga Dürkob berichtete, dass die Liedertafel bei manchen Feiern im Dorf gar nicht mehr erwünscht sei: „Es hat mich unheimlich getroffen, dass Leute sagen: ,Wir wollen feiern, aber lasst den Chor weg. Die singen all utländisch’.“ Aber nicht nur einigen Hörern, auch vielen Sängern liegt das alte Traditionsgut am Herzen. Udo Schöttler betonte: „Ich bin bereit, auch mal englische Lieder zu singen, aber nicht überwiegend.“ Bürgermeister Udo Tesch glättete die Wogen. „Wir sollten immer gucken, für welche Veranstaltung wir singen“, empfahl er. Bei einem Neujahrsempfang seien moderne Stücke angebracht, bei runden Geburtstagen eher traditionelle. Winkler-Kopper versprach, in den Proben in gewohnter Weise auch alte Stücke regelmäßig zu wiederholen.

Dennoch hatte ihr Bemühen, durch moderne Lieder Sänger zu gewinnen, Erfolg. Jüngst traten dem Chor vier Frauen bei. Damit umfasst er 52 aktive und 50 passive Mitglieder. Eine der neuen Sängerinnen, Christiane Preuß, betonte, dass ihr die modernen Stücke wichtig seien.

Sie war durch das Projekt „Modern Voices“ auf die Liedertafel aufmerksam geworden. Marion Sörensen, die sich den Vorsitz mit Dürkob teilt, hatte es ins Leben gerufen. Fast 100 Interessierte aus Hamburg, Pinneberg, Elmshorn und der Marsch besuchten die ersten Proben im September, etwa 15 sind geblieben. Als erste „Modern Voices“-Sängerinnen traten Preuß, Ingrid Kirsch, Anne-Kristin Kohser und Uschi Maschke auch dem Hauptchor bei. Ein Kinderchor-Projekt musste dagegen mangels Interesse eingestellt werden. Sörensen hofft, dass sich die Liedertafel stattdessen in der Offenen Ganztagsschule in Heidgraben einbringen kann.

Tesch lobte die Sänger. Viele Gemeinden hätten Mühe, Feuerwehr und Chöre zu besetzen. „Ich bin immer stolz, wenn ich erzählen kann, dass wir das alles noch haben“, sagte er. Die Chorleiterin hob die Qualität des Gesangs hervor: „Im Vergleich zu anderen Chören seid ihr richtig gut.“

Heidgrabener Liedertafel: Vorstandswahlen und Ehrungen Einstimmig haben die 41 Besucher der Jahreshauptversammlung der Heidgrabener Liedertafel ihren Vorstand wiedergewählt. Helga Dürkob und Marion Sörensen werden sich weiterhin den Vorsitz teilen. Dürkob bleibt Schatzmeisterin, Sörensen Pressewartin. Fred Krajewski wurde als Schriftwart, Klaus Bertram als sein Stellvertreter bestätigt. Krajewski steht zudem weiterhin dem Festausschuss vor. Auch Angelika Kahland behält zwei Ämter: Sie bleibt Notenwartin und Chronistin. Neu im Team ist Anke Jacobs als zweite Notenwartin. Das Vorsitzenden-Duo ehrte drei langjährige Mitglieder: Helma Thielemann gehört dem Chor seit 50, Peter Brütt seit 40 Jahren an. Beide erhielten goldene Nadeln des Sängerbunds Schleswig-Holstein. Eine bronzene Nadel für 15-jährige Zugehörigkeit durfte Klaus Bertram mit nach Hause nehmen. (jhf)

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