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Ein Ehepaar wird gebraucht : Ein Besuch bei den Ehrenamtlern

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Uwe Staack ist Vorsitzender des Seniorenbeirats, seine Frau Inge die Leiterin des Freiwilligenforums.

Uetersen | Ihre Freizeit stellen sie in den Dienst des Allgemeinwohls: Ehrenamtliche und Freiwillige leisten einen unverzichtbaren Beitrag zum Funktionieren der Gesellschaft. Wie aus dem aktuellen Freiwilligensurveys des Bundesfamilienministeriums hervorgeht, waren in 2014 43,6 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren freiwillig engagiert – das entspricht 30,9 Millionen Menschen. Fast 44 Prozent davon bringen ihre freiwillige Arbeit in den Sport ein, es gibt aber auch jede Menge Ehrenamtler in Schulen und Kindergärten, im Kulturbereich, in den Kirchengemeinden und der Politik, beim Natur- und Tierschutz oder beim Rettungsdienst und den Freiwilligen Feuerwehren. 43,6 Prozent, auf die Einwohnerzahl Uetersens umgerechnet sind das geschätzt 7900 Menschen, die sich hier regelmäßig engagieren. Davon wenden – statistisch gesehen – über 18 Prozent mehr als sechs Wochenstunden für das Allgemeinwohl auf. Unsere Zeitung stellt einige von ihnen in loser Folge vor. Sie stehen damit auch für all die anderen Helden des Alltags, die täglich zum Funktionieren unseres Zusammenlebens beitragen.

Nach einem reichhaltig gefüllten und engagierten Arbeitsleben sollte ihr Mann bei seinem Renteneintritt nicht vor der großen Leere stehen, fand Inge Staack. Um diesem berühmten „Loch“ gleich vorzubeugen, ließ sich Uwe Staack schon ein Jahr vor der Rente im Jahre 2004 in den Seniorenbeirat wählen, und seine Frau gleich mit. 2006 stieg er zum Vorsitzenden des Seniorenbeirats auf und ist es noch heute. Für Inge Staack allerdings ging es von dort aus in eine andere Richtung.

„Im Frühjahr 2005 hat mir ein ehemaliger Schuldirektor aus Pinneberg vom dortigen Freiwilligenforum erzählt“, so Inge Staack. „Ich sagte mir: Das wäre doch gelacht, wenn wir das in Uetersen nicht auch auf die Beine stellen können.“ Eigentlich wollte die ehemalige Inhaberin von „Stoffe Staack“ nur Starthilfe geben, doch noch heute ist sie als Vorsitzende des Uetersener Freiwilligenforums aktiv.

Inzwischen hat das Forum, das mit neun Ehrenamtlichen startete, über 70 Mitglieder, die ihr Wissen und Können, vor allem aber ihre Zeit kostenlos zur Verfügung stellen. „In 2016 sind 8735 ehrenamtliche Stunden zusammengekommen, ohne Vor- und Nachbereitung“, sagt Staack. Dabei gibt es keinen Zwang, jeder hilft nur so viel, wie er mag.

Anfangs ging es hauptsächlich um die Seniorenbetreuung: vorlesen, zusammen spazieren gehen, zu Einkäufen oder Ärzten begleiten, beim Ausfüllen von Formularen helfen. Ein anderer Schwerpunkt liegt inzwischen bei der Schülerbetreuung und in der Hausaufgabenhilfe. Seit 2015 ist die Betreuung von Flüchtlingen hinzugekommen, vom Deutschunterricht bis zur Jobvermittlung.

Eine Initiative des Freiwilligenforums

Das Sprachcafé entstand auf Initiative des Freiwilligenforums, und die DaZ-Gruppen in den Schulen werden ebenfalls regelmäßig von seinen Mitgliedern unterstützt.

Beim Forum mitzumachen, bedeutet aber nicht nur Arbeit. „Den meisten bringt das wirklich Spaß“, weiß Inge Staack zu berichten, besonders die Dankbarkeit der hilfesuchenden Menschen bringt Erfüllung. Für die Ehrenamtlichen selbst wird an jedem vierten Mittwoch im Monat um 16 Uhr im Gemeindesaal der Erlöserkirche ein Treffen ausgerichtet, mit Kaffee und Erfahrungsaustausch oder manchmal auch mit Vortrag. Außerdem gibt es Tagesausflüge und einmal jährlich einen gemeinsamen Kurzurlaub. „Wir sind eine schöne Gemeinschaft, und es sind viele Freundschaften entstanden“, so Staack. Und selbstverständlich ist auch ihr Mann im Freiwilligenforum aktiv, er kümmert sich dort um die Öffentlichkeitsarbeit. Außerdem vertritt er nach wie vor die Belange der Senioren in der Rosenstadt gegenüber der Lokalpolitik. „Viele ältere Menschen wenden sich an uns und sagen: ‚Wir kommen nicht über die Straße‘“, erzählt Uwe Staack. An vielen Stellen in der Stadt hat der Seniorenbeirat daher schon Bordsteinabsenkungen erwirkt, sodass die Rollstuhlfahrer und Menschen mit Gehwagen problemlos passieren können. Auch für eine Rollstuhlzufahrt zum Gelände Langes Tannen sowie um Fahrstühle in Ärztehäusern wurde schon erfolgreich gekämpft, ebenso um Bänke zum Ausruhen. „Gut passierbare Wege finde ich sehr wichtig, denn sonst sind die Menschen ausgegrenzt“, weiß Staack.

In den Laden kamen die Leute zum Reden

Auch für einen besseren Zugang zu Freizeitaktivitäten für Senioren hat der Beirat gesorgt, wie für das Seniorenschwimmen in der Jürgen-Frenzel-Schwimmhalle oder das Seniorenkino im Burg-Kino zu vergünstigten Preisen. Die Computer- und Smartphonehilfe für Senioren bietet günstige Kurse und kostenlose Treffen an. Derzeit wird an einer aktualisierten Version des „Seniorenkompasses“ gearbeitet, es werden Gespräche mit den Fahrschulen geführt zwecks eines bezahlbaren Fahrtüchtigkeitstests und für mehr Taxen in der Stadt geworben. „In 2018 ist wieder Wahl, Kandidaten für den Seniorenbeirat sind uns schon jetzt willkommen“, so Uwe Staack.

Den Grundstein für ihr Interesse am Gemeinwohl legte das Ehepaar schon während des Berufslebens. „In meinen Laden kamen die Leute immer gern zum Reden, auch über ihre Sorgen“, erinnert sich Inge Staack. Und ihr Mann war bei einer Reederei unter anderem für Personalangelegenheiten zuständig und setzte sich für das soziale Miteinander der Seeleute ein. Für ihr derzeitiges Engagement wurden beide bereits ausgezeichnet: Uwe Staack wurde letztes Jahr ins Bürgerbuch des Kreises Pinneberg eingetragen, seine Frau ist seit 2011 Trägerin der Rosennadel und erhielt 2012 den Walter-Damm-Preis. Ihr Motto fasst Inge Staack so zusammen: „Ich liebe meine Stadt, hier sind meine Freunde, hier werde ich gebraucht!“

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erstellt am 09.Aug.2017 | 16:00 Uhr

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