Katastrophen : Ein Baum der Erinnerung

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„Wenn es den Landesschutzdeich nicht gebe, hätten wir so manches Mal im Wasser gestanden“, steht für Otto Schinkel fest. Die Einweihung des „Flutbaumes“ an der Ecke Dorfstraße und Am Neuenfeldsdeich nutzte der ehemalige Bürgermeister und Vorsitzende der AG Dorfentwicklung, um die Bedeutung des Küstenschutzes ins Bewusstsein der Menschen zu rücken.

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15. Juli 2014, 20:50 Uhr

Denn die gewaltigen Wassermassen, die bei Stürmen in die Elbe drücken, sind eine ständige Gefahr für die Seestermüher Marsch. Die Markierungen, die die Höhen der Sturmfluten aufzeigen, liegen allesamt über den Köpfen der Gäste, die zur Einweihung gekommen waren. Und ganz oben steht ein Schild, das den Landesschutzdeich anzeigt. Menschenleben hatte eine Sturmflut in Seestermühe nach den bekannten Aufzeichnungen nur einmal gefordert. 1825 brach der Deich. Hinter dem Wall stand das Haus der vierköpfigen Familie Schmidt. Mutter, Vater und ein Kind konnten sich retten. Die zehn Monate alte Tochter ertrank in den Fluten.

Über dem Wasserstand von 1825 lag der der großen Sturmflut vom 16. und 17. Februar 1962, bei der 315 Todesopfer zu beklagen waren. Dass damals in der Marsch die Deiche nicht überflutet wurden, ist eine Folge der Brüche in Hamburg-Wilhelmsburg. Das Wasser sank und der Druck auf die hiesigen Erdwälle ließ nach.

Zehn Zentimeter unter der Flut von 1925 blieb die vom 7. Dezember 2013. „Die hat keiner bemerkt“, erklärte Schinkel. Und die unterste Markierung auf dem Baum ist der Sturm vom 24. Februar 1967, als in Hetlingen nah dem Holmer Berg der Deich brach. Der Flutbaum ist eine Arbeit aus der Region und für die Region. Das Exemplar stand ursprünglich als Strommast hinter der zweiten Deichlinie. Er sollte abgesägt und durch eine neue Laterne ersetzt werden. Schinkel kam zufällig bei den Arbeiten vorbei und konnte den Baum für die AG Dorfentwicklung sichern.

Zahlreiche Bürger und Firmen haben einen Teil zur Realisierung beigetragen, entweder durch Spenden oder ihrer Hände Arbeit. Finanziert wurde das 1000-Euro-Projekt von der Raiffeisenbank Seestermühe.

Warum Sturmfluten heute wesentlich höher auflaufen, wies Jochen Bohn nach. Durch die Eindeichung wurden die Ausdehnungsflächen bei Sturmfluten genommen, sagte er. So hatte das Elbästuar im Mittelalter zwischen Wilstermarsch und Kehdingen eine Breite von 30 Kilometern. Heute ist dort der Fluss von Deich zu Deich 2,8 Kilometer breit.

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