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52. Salvatorabend in der Marseille-Kaserne : Ein Appell für mehr Toleranz

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Salvator-Abende in der Marseille-Kaserne genießen eine lange Tradition. Oberst Markus Kurczyk, Kommandeur der Unteroffizierschule der Luftwaffe (USLw), konnte zur 52. Veranstaltung ihrer Art am Freitag rund 300 Gäste in der „Alten UHG“, dem gemeinsamen Unteroffizier-/Offizierheim, begrüßen. Eine besondere Freude war es für ihn, den Festredner des Abends, Polizeidirektor Gary Menzel aus Berlin anzukündigen, derzeit Koordinator für die Flüchtlingsverteilung im Verteilbereich Ost mit Standort in München. Der Kommandeur und der Polizeibeamte kennen sich aus gemeinsamen Afghanistan-Zeiten. Menzel war in Kabul für die Polizeiausbildung zuständig, Kurczyk Führer der Deutschen Kräfte in Kabul.

Der Abend in der Kaserne war von einer Vokabel geprägt: Toleranz! Der Oberst mahnte nach weiteren Ausführungen: „Die derzeit erlebbare Revolte von rechts fordert mit gewaltsamen Mitteln massiv Autorität ein: sie wird eingeklagt, weil sie das verspricht, was man verzweifelt sucht: Eindeutigkeit, Entschiedenheit, Reduktion der komplex gewordenen Gesellschaft. Die Komplexität werden wir nicht verringern können, aber es liegt an uns, eindeutig und entschieden für unser Land und für unser Grundgesetz einzutreten.“

Der gesellige Teil begann mit dem obligatorischen Fassanstich, verspürten die Gäste doch längst einen stechenden Durst. Zwei Schläge auf den Zapfhahn, dann quoll das Starkbier aus der Paulaner-Brauerei hervor, sodass die Krüge schnell gefüllt waren.

Dem ersten „Prost“ folgten launige aber auch ernste Worte des Polizisten, der nur ungern ein Blatt vor den Mund nimmt. Schon gar nicht, wenn es gilt, humanistische Werte zu schützen. Integration sei keine Einbahnstraße, stellte Menzel im Anschluss mehrerer Beispiele aus seiner Dienstzeit fest. Der Wille zur Integration müsse von beiden Seiten kommen. Es wäre schön, wenn die Menschen mit gleicher Inbrunst das suchen würden, was sie verbinde.

Ausländer, Einwanderer, Flüchtlinge, Asylbewerber - und Deutsche. Menzel: „Was eigentlich hindert uns daran, kulturell aufeinander zuzugehen. Wo ist unser Kulturverständnis geblieben, der kategorische Imperativ von Immanuel Kant? Wir berufen uns auf unsere Aufgeklärtheit, auf unsere Trennung von Staat und Religion. Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde. Wer reibt den braunen Nazisäcken eigentlich immer wieder den Satz von Kant unter die Nase? Die Typen, die sich auf ihr vermeintlich überlegenes Deutschtum berufen?“. Denn diese Aufgeklärtheit, fasste Menzel zusammen, sei deutsches Kulturgut, nicht das dumpfe Gegröle nach Deutschland den Deutschen. Es sei geboten, Verbindendes hervorzuheben, statt Trennendes zu unterstreichen. In diesem Zusammenhang machte Menzel einen, für ihn gebotenen, Abstecher in die USA. Trump, der „blonde Solartexaner“, der jetzt US-Präsident werden wolle, sei jedenfalls gedanklich brauner als der jetzige Amtsinhaber an Hautfarbe habe. „Wenn Trump Präsident wird, benenne ich die USA um. Das sind dann die Verunreinigten Staaten von Amerika. Mit weichgespülter Mentalität werde Integration kaum gelingen. Dazu gehöre auch die aktuelle Diskussion um die Begriffe Flüchtling (als angeblich erniedrigend) und Geflüchteter. So könne ernsthaft nicht diskutiert werden in Deutschland. Sprache könne immer spalten, doch „wir sollten sie nutzen, um zu integrieren, um auf andere zuzugehen“, mahnte Menzel abschließend.

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erstellt am 20.Mär.2016 | 21:47 Uhr

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