Eher verhaltene Begeisterung

4450633_800x478_55a81a8ad6ce9.jpg

Sie waren perfekt, sie waren gut, die 14 Musiker und die eine Musikerin der NDR Bigband, die am Mittwochabend das erste Konzert des diesjährigen Schleswig-Holstein Musik Festivals (SHMF) in der Alten Reithalle bestritten. Doch der große Jubel blieb aus. Und etliche Zuhörerinnen und Zuhörer konnten genau benennen, was ihnen fehlte. Es waren die, die einen Abend zuvor die künstlerische Alternative zu dem erkrankten Martin Grubinger im Haseldorfer Rinderstall erlebt hatten und noch ganz erfüllt von dem Erlebnis gespannt nach Elmshorn gestürzt waren.

shz.de von
16. Juli 2015, 22:54 Uhr

„Die Musik hat mich ganz einfach nicht erreicht, nicht im Innersten berührt“, fasste eine Heidgrabenerin ihren Eindruck des Gehörten in Elmshorn zusammen. Was fehlte, war die Lebensfreude, die der Jazz eigentlich verkörpert, der Funke, der auf das Publikum überspringt und die Lust an der Improvisation der einzelnen Themen und Instrumente vom Kopf bis zu den Fußspitzen überträgt.

Es waren ganz viele kleine Komponenten, die das Puzzle der eher mürrischen Atmosphäre des Festivalauftakts in Elmshorn zusammensetzten: Zuerst einmal die bitterernsten Minen der Akteure, nicht einmal ein Lächeln huschte über deren Gesichter, kaum Bewegung, kein Swingen, kein sichtliches Miteinander kommunizieren. Es fehlte, was den Jazz so redselig und fröhlich macht, und so wurde eher als hochklassige Beerdigungsmusik empfunden, was an diesem Abend geboten wurde. Lediglich Dirigent Jörg Achim Keller und der stimmlich und inhaltlich hervorragende Moderator Peter Urban wagten mal ein Lächeln. Dabei hatten die bereits oft hochpreisig ausgezeichneten Rundfunk-Musiker kein bierernstes Programm: Auszüge aus dem lustigen „Karneval der Tiere“ nach dem französischen Komponisten Camille Saint-Saëns stand als erstes auf den Notenständern, bei dem Löwen, ein Elefant, ein Walross, der Pegasus und ein Uhu musikalisch auftreten. Auch Duke Ellingtons Version der „Nutcracker Suite“, also im Ursprung Tschaikowskys Nussknacker, ist wahrlich kein Trauerspiel. Lediglich Modest Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ hat Dirigent Jörg Achim Keller konzertanter und strenger an die originale Klassik-Musik angelehnt und mit sehr schönen, langen Soli versehen.

Als Dankeschön überreichte der Elmshorner Festival-Beirat dem Dirigenten zum Abschluss eine große Mettwurst, bevor eine Zugabe und artiger Applaus einsetzte.

Vielleicht war es auch der Nieselregen, der den Gästen, die sich in der Pause im Innenhof der historischen Gebäude des Reit- und Fahrvereins und des Holsteiner Verbandes drängten, auf die Stimmung drückte. Die zu Beginn noch aufgestellten Bänke waren nicht abgewischt, sondern gleich radikal entfernt worden, und auch auf dem Außengelände gab es keine Möglichkeit, sich gemütlich mit anderen oder gar den Künstlern auszutauschen. Schade, Elmshorn hat so gute atmosphärische Voraussetzungen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert