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Uetersener Nachrichten

17. Oktober 2017 | 09:57 Uhr

Kohlekraftwerk : E.on-Chef fertigt BI ab

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Für das Ende des Dialogs ließ der E.on-Chef sorgen. Bisher hatten Vertreter der „Bürgerinitiative gegen massive umweltbelastende Industriekonzentration in Stade“ mit den Planern im „Kraftwerksforum Stadersand“ intensiv und wie sie fanden auch konstruktiv diskutiert. Parallel suchte die BI den Kontakt zu Johannes Teyssen. Der Vorstandsvorsitzende der E.on AG hatte einst zur Freude der Marschmer in Interviews verkündet, dass das Energieversorgungsunternehmen keine neuen Kohlekraftwerke mehr bauen wird.

shz.de von
erstellt am 10.Feb.2012 | 21:26 Uhr

„Kurz und schäbig“, ist für BI-Sprecher Siegfried Zell, was der „Senior Vice President Political Affairs and Corporate Communications“ Dr. Guido Knott nun im Namen von Teyssen den Bürgern antwortete – und was sie nun zum Ausstieg aus dem Kraftwerksforum veranlasst. Der E.on-Mann stellt fest, dass der Standort Stade attraktiv ist und ein Kohlekraftwerk errichtet werden soll.

Ausdrücklich erklärt er, dass es im Kraftwerksforum nicht um die Suche nach Alternativen geht. Doch genau darum ging es den BIlern. Wenn schon nicht die Kraftwerke verhindert werden können, dann sollten sie wenigstens so wenig wie möglich Immissionen ausstoßen, so ihre Position. Denn der Dreck aus den Kraftwerken segelt mit dem Westwind Richtung Haseldofer Marsch und sinkt dort nieder.

„Wir setzen auf Gas“, erklärt Zell. Es werden nicht nur deutlich weniger Kohlendioxid und Feinstäube produziert. Der Ingenieur sieht auch energietechnische, betriebliche und finanzielle Vorteile für E.on. Zell stellt aber auch fest: „Sie haben Angst um die Gaslieferungen aus dem Osten.“

2008 gegründet, nahm die Marsch-BI vor gut drei Jahren am ersten Kraftwerksforum teil. Bürgerinitiativen aus Niedersachsen lehnten dies kategorisch ab, weil sie es als Alibiveranstaltung empfanden. Zell hält diesen Schritt auch im Nachhinein für richtig. „Es ist besser mit der anderen Seite zu sprechen, denn so kennt man seine Planungen“, erklärt der Dozent an der Technischen Universität Hamburg-Harburg. „Sonst ist man völlig ahnungslos.“

Finanziell unterstützt wird die BI von den Marsch-und-Geest-Gemeinden. Man wolle den Bürgermeistern in einem demnächst stattfindenden Gespräch empfehlen, sich ebenfalls vom Kraftwerksforum zu distanzieren, so Zell. Außerdem setzt man auf die juristische Schiene, denn bald dürften die Planfeststellungsverfahren beginnen. Die Unterlagen der Initiative werden an das Büro des Hamburger Rechtsanwalts Michael Günther übergeben, das die Interessen der Dörfer vertritt. Wie sich die BI zukünftig aufstellt, wollen die Sprecher demnächst klären.

Vier KraftwerkeDas stillgelegte Atomkraftwerk in Stade sollte durch andere Kraftwerke ersetzt werden. Bereits in Betrieb ist die Müllverbrennungsanlage der Firma Prokon. Mit der Energie werden Rotorblätter für Windräder produziert. Der französische Konzern „GDF Suez“ nahm vor der Merkelschen Energiewende aus wirtschaftlichen Gründen von dem Projekt Abstand, ein Kohlekraftwerk zu bauen. Dow Deutschland will sein altes Kraftwerk durch ein größeres Gas- und ein Kohlekraftwerk ersetzen. Ersteres befindet sich in Bau, das zweite in Planung. Das vierte Stader Kraftwerksprojekt ist das der E.on. (tp)

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