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Uetersener Nachrichten

17. Dezember 2017 | 20:47 Uhr

Aktion : Drei Stolpersteine für NS-Opfer

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Nach Stolpersteinen in Quickborn und Barmstedt hat der Initator der europaweiten Aktion, Künstler Gunter Demnig, gestern auch in Wedel drei dieser Mahnmale verlegt. In einer bewegenden Zeremonie wurde dabei der NS-Opfer Karl Timm, Betty Elkeles und Helene Johannsen gedacht. Damit gibt es im Kreis Pinneberg inzwischen etwa 70 Stolpersteine in 15 Städten und Gemeinden. Einer Projektgruppe aus Schülern der 9. und 10. Klassen an der Gebrüder-Humboldt-Schule verdankt die Stadt Wedel, dass die Schicksale von insgesamt sechs Menschen, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden, aufgearbeitet werden konnten. Ein Schuljahr lang recherchierten sie in Archiven, befragten Zeitzeugen und Wissenschaftler.

shz.de von
erstellt am 02.Dez.2015 | 21:13 Uhr

Zahlreiche Bürger, Friedensaktivisten und Politiker wohnten der Auftaktveranstaltung in der Bahnhofstraße 35 bei. Da, wo heute ein Schuhladen um Kunden wirbt, stand einst das Haus, in dem Karl Timm zuletzt wohnte. Als er von den Nazis in einen Wald gezerrt und nach monatelanger Haft zusammen mit einem anderen jungen Mann erschossen wurde, war er gerade mal 21 Jahre alt. Sein Vergehen: Wehrzersetzung!

Weil er nach einem Stelldichein mit seiner Freundin nicht pünktlich in der Kaserne erschienen war, einen Vorgesetzten nicht vorschriftsmäßig grüßte, deportierten ihn die Nazis ins Gefängnis nach Dresden, wo er kurz darauf zum Tode verurteilt wurde. „Meine Heldin in dieser Geschichte ist seine Schwester Irene“, sagte Rene Senenko von der Geschichtswerkstatt der Hamburger Willi-Bredel-Gesellschaft, der den Schülern bei der Recherche half und die Kontakte herstellte.

Irene Timm, von der im Gegensatz zu ihrem Bruder ein Foto existiert, versuchte viel, um das Leben ihres Bruders zu retten. Vergebens! Geschichten wie diese sind es, aus denen sich die Erinnerung von Timms 14 Jahre jüngerem Bruder Gerhard speisen, der der Zeremonie gestern beiwohnte. „Es ist, als würde Karl hier ruhen“, sagte er mit einem Blick auf den Stolperstein, neben dem gestern ein Bild von Irene lag, dazu zahlreiche Rosen und eine Kerze.

Andreas Herwig, Leiter der Gebrüder-Humboldt-Schule, wertete die Stolpersteine in Wedel als einen Aufruf an alle Menschen, sich nie wieder gegeneinander ausspielen zu lassen. „Es ist heute besonders wichtig, solche Tendenzen rechtzeitig zu erkennen und sofort gegenzusteuern“, sagte er und lobte seine Schüler für ihr Enagement und ihren Wissendrang.

Im Anschluss wurde je ein Stolperstein auch für Betty Elkeles in der Gärtnerstraße 17 und Helene Johannsen, Schlosskamp 31, verlegt.

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