Feierlich : Dr. Schupfner verabschiedet sich – fast

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Aufgeregt sei er, sagt Dr. Walter Schupfner. Es sei ein großer Tag für ihn, dieser Tag der Praxisübergabe an den „Großen“. Der „Große“ steht neben ihm im Ärztehaus am Heistmer Lehmweg. Dr. André Plümer überragt ihn und die vielen Gäste bei der bunt organisierten Feier um Haupteslänge.

shz.de von
10. Februar 2013, 18:52 Uhr

Eine komische Situation sei das, bemerkt der lange Mediziner, denn jetzt sei er Schupfners Chef. Doch die beiden werden sich wohl auch in Zukunft auf Augenhöhe begegnen, kommen sie doch dienstlich wie privat bestens miteinander klar und sind sich einig: Landarzt zu sein – was gibt es Schöneres?

Schupfner ist seit vielen Jahren zur Institution geworden, berät und begleitet Menschen bei Schwangerschaften, kleinen Zipperlein, schweren Erkrankungen bis zu einem würdevollem Sterben. Medizin mit Herz, ganz nah am Menschen ist seine Devise, und nicht nur dabei stimmt ihm Dr. Plümer vollauf zu. 31 Jahre lang sorgte sich Dr. Walter Schupfner aus dem Ärztehaus in Heist heraus um seine Patienten in Moorrege, Heist, Haselau, Haseldorf. Die Gemeinden hatten sich zu einer Gemeinschaft des bürgerlichen Rechts (GbR) zusammengeschlossen, um die ärztliche Versorgung der Marsch- und Geestdörfer sicherzustellen. Der Mediziner mit dem Bilderbuch-Image behandelte früher sogar einen Landwirt, der nicht krankenversichert war, für die Bezahlung mit Naturalien: Eier, Speck, Schinken und Honig wurden ihm dankbar auf den Tisch gepackt. Er wird auch jetzt noch nicht das Stethoskop zur Seite legen und den Ruhestand im heimischen Altendeich genießen oder nach Afrika düsen, um den Medizinmännern bei der Arbeit zuzusehen – das hat er ja bereits getan – sondern Dr. Plümer weiterhin den Rücken freihalten, damit der den Patientenansturm auch in naher Zukunft so locker bewältigen kann.

Der Internist Dr. Plümer bewältigt nochmal so nebenbei seine Facharzt-Prüfung zum Allgemeinmediziner. Die langen Arbeitszeiten schrecken ihn nicht und die etwas geringeren Verdienstchancen als „Hausarzt“ sind für ihn kein Thema. Das, so sagt er, sei „Jammern auf sehr hohem Niveau“. Die Arbeit hier sei viel entspannter als in der Klinik. Die Freiheit als selbstständiger Arzt ist es, die ihn reizt. Und das schon, als die Fernsehserie „Der Landarzt“ aus der romantischen Landschaft Schwansen um Kappeln, dem zauberhaften Örtchen Sieseby und an den Ufern der Schlei ihn dazu animierte, Medizin zu studieren und später einmal Landarzt zu werden. Der Wilhelmshavener zog von Hamburg aus zusammen mit seiner Frau aufs Land, begeisterte sich für ein Heim in Haseldorf und fand dann erst durch Zufall die Praxis in Heist, die dringend einen Nachfolger suchte.

Jetzt praktizieren außer Schupfner und Plümer noch zeitweise Dr. Johannes Rühl im Ärztehaus, außerdem ist der Bungalow neben der Apotheke Lehrpraxis für die medizinischen Studenten aus Hamburg und Lübeck. Dabei, so hoffen die drei, lässt sich sicher noch begeisterter Nachwuchs rekrutieren.

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