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Schonend und wirksam : Dr. Hader klemmt dem Bluthochdruck den Strom ab

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

shz.de von
erstellt am 16.Dez.2011 | 21:41 Uhr

Elmshorn. Jeder dritte Mensch in der westlichen Welt leidet unter Bluthochdruck. Davon geht Dr. Oliver Hader, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin in Elmshorn, aus. Die Krankheit ist gefährlich, denn mit dem Druck in den Adern steigt das Risiko für Schlag-anfälle. Medikamente helfen vielen Menschen, aber nicht allen. Manche nehmen drei oder mehr verschiedene Tabletten ein. Trotzdem bleibt ihr Blutdruck bei 160/100 – ein zu hoher Wert.

Diesen Patienten kann Dr. Hader seit August mit einem neuen Verfahren helfen. Bei der sogenannten Denervierung verödet der 48-Jährige mit kleinen Stromstößen Nerven an der Nierenarterie. Der Effekt: Der obere Blutdruckwert fällt in der Regel nach einigen Wochen um 20, der untere um zehn Punkte. Studien zufolge schlägt die Behandlung bei 80 bis 85 Prozent der Patienten an. Sie wird im nördlichen Hamburger Speckgürtel bisher nur in Elmshorn angeboten.

„Ganz neu ist die Methode nicht“, sagt Dr. Hader. Entdeckt hatten Mediziner den Zusammenhang zwischen dem Bluthochdruck und den Nieren in den 1950er-Jahren. Damals zerschnitten sie die Nerven aber noch per Skalpell. Haders Methode ist schonender: Er führt einen Katheter in die Leistenarterie und schiebt ihn bis zur Niere vor. Durch den Katheterkopf läuft ein hochfrequenter Strom, mit dem die Nerven durchtrennt werden.

Hader setzt die Methode nur bei Menschen ein, die drei oder mehr Medikamente gegen Blutdruck einnehmen und trotzdem Werte von mehr als 160/100 haben. Vier Patienten hat er seit August in Elmshorn behandelt. „Sie weisen alle gute Werte auf“, berichtete der Arzt. Ihre Medikamente müssen sie aber weiterhin nehmen. Die Infrastruktur für das Verfahren ist am Klinikum Elmshorn bereits seit Längerem vorhanden. Hader verödet die Nerven im Katheterlabor, in dem sonst das Herz untersucht und behandelt wird. Zusätzlich investierten die Kliniken 18000 Euro in einen Stromgenerator.

Eine Behandlung ist teuer. Lars Timm, kaufmännischer Direktor des Klinikums Elmshorn schätzt die Kosten auf etwa 7000 Euro. Allein der Preis des Einmalkatheters beträgt 3500 Euro. Da es für die Behandlung zudem noch kein Entgeltsystem gibt, zahlen die Kliniken derzeit drauf.

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