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„Fragt doch mal: Wie geht es dir?“ : Diskussionsrunde zum Thema Salafismus am Ludwig-Meyn-Gymnasium

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Tobias Meilicke von der türkischen Gemeinde Schleswig-Holstein diskutiert mit Benjamin Rose, Vertreter der muslimischen Gemeinde Uetersen, und dem Schüler Julian Landmann.

Uetersen | Wie gefährlich Salafismus für die Jugend ist, darüber diskutierten am Ludwig-Meyn-Gymnasium Tobias Meilicke von der türkischen Gemeinde Schleswig-Holstein, Benjamin Rose, Vertreter der muslimischen Gemeinde Uetersen, und der Schüler Julian Landmann. Sieben Schüler des elften Jahrgangs hatten die Podiumsdiskussion organisiert, zusammen mit ihrem Religionslehrer Dr. Sönke Zankel.

„Wir haben uns gefragt: Wie kann ich mich und andere vor der Radikalisierung schützen?“, so Christoph Kowalski, der die Podiumsdiskussion moderierte. Als Zuhörer eingeladen waren Schüler der zehnten und elften Klassen. „Ihnen haben wir das Projekt vorgestellt, damit sie im Vorfeld bereits eigene Fragen für das Plenum entwickeln konnten“, erklärte der 17-jährige Finn Cornils vom Vorbereitungsteam. Landmann war als Vertreter der Schülerschaft ausgewählt worden, weil er erst kürzlich eine Hausarbeit über Salafismus in Deutschland verfasst hat. „Hierfür habe ich auch den Islamwissenschaftler Guido Steinberg in Berlin interviewt“, so Landmann.

„Salafismus, das ist eine ganz bestimmte Auslegung des Islam, so gottgläubig wie möglich zu leben“, erklärte der Abiturient seinen Mitschülern. Rose, selbst Konvertit, ergänzte: „Koranverse werden wörtlich genommen, was zu extremen Handlungen führt.“ Meilicke, der das Innenministerium in Extremismusfragen berät, erläuterte, die Mehrzahl der Muslime verstände den Koran im historischen Kontext. Die Salafisten allerdings meinten, die einzige Interpretationsmacht über den Koran zu haben.

Rose schilderte den Jugendlichen, wie leicht junge Leute, die selbst Probleme haben und denen es an Halt fehlt, durch Youtube-Videos eines salafistischen Predigers wie Pierre Vogel zu verführen seien. Er selbst habe einen Pinneberger Schulkameraden gehabt, der in die extremistische Salafistenszene abgerutscht und dann bei einem Bombenangriff in Afghanistan gestorben sei.

Hochprofessionell

„Die Salafisten haben hochprofessionelle Homepages, extrem gut auf junge Menschen abgestimmt“, weiß Meilicke. Timo (17) wollte wissen, ob man als Prävention nicht die Seiten und Videos von Pierre Vogel anschauen und reflektieren solle? Ja, aber nur in Gruppen und im Rahmen eines Unterrichts, meinte Meilicke. Zu Bedenken sei auch, dass jeder Klick für die Salafisten wertvoll sei. Rose warb dafür, sich verstärkt mit dem gemäßigten Islam auseinanderzusetzen, zum Beispiel Moscheen zu besuchen.

Salafisten, da waren sich die beiden Vertreter muslimischer Gemeinden einig, kämen nicht nur aus den Reihen sozial Gescheiterter, vielmehr gebe es einen hohen Anteil Studierender und Akademiker. „Irgendwann, in einem Krisenmoment, war keiner da, außer ein Salafist“, so Meilicke. Daher empfiehlt er: „Achtet aufeinander! Fragt mal: Wie geht es dir?“ Um den Zulauf zu salafistischen Radikalen zu stoppen, müsse sich aber auch gesellschaftlich etwas tun.

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erstellt am 27.Jun.2016 | 10:00 Uhr

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