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Opferstock : Die Wirren aller Kriege überstanden

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Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Zu den Schätzen der St. Johanneskirche gehört der Opferstock in der Mitte des Kirchenraumes. Das Kunstwerk aus dem Barock soll während des Erntedankfestes am Sonntag, 6. Oktober, besonders gewürdigt werden. Es entstand vor 400 Jahren. Dazu wird Pastorin Bettina Feddersen ab 10 Uhr einen Festgottesdienst zelebrieren. Dieses besondere Ereignis wird mit einer Kooperation mit dem Pinneberger „Café Pino“ sowie einer Ausstellung kombiniert.

Er wurde im 30-jährigen Krieg eingeweiht, überlebte dessen Wirren und bis heute alle weiteren Kriege, und hat vier Jahrhunderte lang Almosen für arme Menschen in sich aufgenommen. Der Opferkasten aus dem Jahr 1613 ist so schwer, dass kaum ein Gottesdienstbesucher ihn heben könnte. Doch er ruht auf prominenten biblischen Schultern: Ein vom Leid gebeugter „Armer Lazarus“, fast so alt wie der Opferkasten, trägt ihn auf dem Kreuz. Viele Generationen von Gottesdienstbesuchern haben ihm ihr Schärflein für Menschen gegeben, denen es nicht so gut im Leben erging.

„Wir werden zum Jubiläum eine weitere Tradition pflegen“, freut sich die Gemeindepastorin. „ Die Gemeinde wird das Erntejahr feiern und die Kirche mit Früchten aus der Seestermüher Marsch schmücken.

Viele der Früchte erhält anschließend das Sozialcafé Pino in Pinneberg. Es ist eine Einrichtung des Diakonischen Werkes Hamburg-West/Südholstein in der Bahnhofstraße, in dem erwerbslose Menschen zu einem Sozialpreis essen und in der benachbarten Wohnraumhilfe Beratung erhalten können.

Das Café Pino liefert für den Seesteraner Festtag das Mittagessen in den ebenfalls barocken Gemeindesaal. Ab 11.15 Uhr sind neben den Marschmern alle Gäste zur Suppe und zu einer Ausstellung über die Geschichte der Armenversorgung in Schleswig-Holstein eingeladen.

Die Ausstellung beleuchtet über mehrere hundert Jahre hinweg das Leben armer Menschen in den Kreisen Pinneberg und Steinburg und der Stadt Norderstedt. Die Wanderausstellung wurde von Historikern, einem Volkskundler und einem Kunsthistoriker aus Südholstein erarbeitet und vom „Schäferhof“ in Appen bereit gestellt. Sie ist nach einem Zitat von Berthold Brecht benannt: „Die im Dunkeln sieht man nicht“.

Sammlung für die Kirchensanierung

Was am 6. Oktober während des Festgottesdienstes in den 400 Jahre alten Opferstock geworfen wird, soll einem besonderen Zweck dienen. „Wir sammeln für einen akuten Notfall“, sagt Pastorin Bettina Feddersen und blickt besorgt auf die rissigen Kirchenwände von St Johannes.

„Unsere Kirche muss dringend saniert werden. Wir suchen Unterstützer, die mit uns gemeinsam dieses historische Kleinod erhalten“, erklärt sie. Einen Ausflug am Erntedanksonntag lohnt wegen dem malerische Ensemble rund um die Seester Kirche allemal. Es steht sogar unter Denkmalschutz.

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erstellt am 05.Sep.2013 | 19:44 Uhr

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