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Uetersener Nachrichten

23. August 2017 | 03:15 Uhr

Tierleben : Die Terrierdame im Strandkorb

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Die Herrschaften von Haus Nummer 14 in der Straße Schlickburg bilden einen stimmgewaltigen Chor. Allerdings einen, den zu hören keineswegs jeder die Ehre hat. Da muss man sich schon die Mühe machen und ihnen einen Besuch abstatten.

Zum Dank erklingt der satte Bass der Labradore, die aufgeregte Altstimme der Terrier und der Tenor der Rassen, die größenmäßig irgendwo dazwischen liegen. Mit Ausnahme von Terrierdame Emma, die sich lieber im blau-weiß gestreiften Strandkorb aalt und nur dann einen Ton von sich gibt, wenn jemand ihr diesen Weltklasse-Platz streitig machen will! Zurzeit hat der Projektchor reichlich Mitglieder, genau 30 an der Zahl. Mehr werden es nur selten, aber durchaus schon mal weniger. Kommt ganz darauf an, wie viele Vierbeiner sich in der Pension einquartiert haben. Denn genau das ist aus dem 1790 erbauten Bauernhaus Schlickburg 14 geworden: ein Hunde-Hof mit Trainingsgelände, Tagesstätte, Seminar- und Tagungsräumen sowie eben einer Hundepension.

Das Besondere an dem Unternehmen, hinter dem Eika und Markus Hamann stehen: Die Tiere leben mit den Menschen. Es gibt keine Zwinger, wohl aber drei großzügige Spielplätze, auf denen sich die Hunde tagsüber aufhalten können. Wenn sie nicht auf der Terrasse liegen! Nachts und bei schlechtem Wetter kommen sie ins Haus. Ihr Zimmer, von dem aus man alle Bewegungen im Haus wunderbar im (Hunde-)Blick hat, hat 100 Quadratmeter.

Es ist die zugewandte Gelassenheit, die das Team des Hunde-Hofes im Umgang mit seinen vierbeinigen Gästen an den Tag legt, die für die besondere Atmosphäre sorgt. Die Hunde sind glücklich, was der Besucher nicht nur der künstlerischen Botschaft des vielstimigen Chors entnimmt, sondern den einzelnen Mitgliedern auch ansieht.

Dabei war es nicht unbedingt vorauszusehen, dass sie mal so eine Anlaufstelle haben würden, sind die Hamanns doch Rettungssanitäter. Lange arbeiteten sie auf der Wache in Uetersen und sahen nicht unbedingt einen Grund, diesen beruflichen Status zu ändern. Aber dann kam Oscar!

Der Berger de Picardie, ein Schäferhund in der Optik eines Wolfshundes, war traumatisiert, bei der normalerweise sehr selbstbewussten und eigenwilligen Rasse ein besonderes Problem. „Der verlangte nach mehr Input und Wissen“, sagte Eika Hamann. Kurzerhand studierte sie Kynologie, die Wissenschaft vom Hund. Dahinter verbirgt sich eine umfassende Hundetrainerausbildung.

Von da an war der Weg in die Selbstständigkeit nur noch ein kurzer. Was mit zwei eigenen und drei Gasthunden begann, wurde schnell größer und damit das Reihenhaus in Uetersen zu klein. Als das Ehepaar auf das Bauernhaus in Neuendeich stieß, griff es zu. Ein absoluter Glücksfall, wie sich längst herausgestellt hat. Inzwischen sind beide voll in dem Unternehmen beschäftigt. Während sich Eika Hamann vor allem um die Ausbildung und das Training kümmert, ist ihr Mann für die Administration zuständig.

Zusammen mit zwei Mitarbeiterinnen bieten sie Welpengruppen, Junghunde- und Kniggekurse, Mantrailing, Agility, Fährtenarbeit und Social Walks an. Hinzu kommen die Hundetagesstätte, in der Woche von 7 Uhr an geöffnet, und die Hundepension, in der die vierbeinigen Gäste natürlich auch über das Wochenende betreut werden.

„Uns liegt viel daran, dass die Hunde bei uns zur Ruhe kommen“, sagte Eika Hamann. Auf ausgedehnte Spielzeiten mit Schmusen, Rangeln, Toben und Erkunden folgen deshalb immer feste Ruhezeiten.

40 Hunde dürften auf der Anlage sein, aber das ist selten der Fall. Dann, so Markus Hamann, könnten sie sich gar nicht in der gebotenen Form um jedes Tier kümmern. Und so sind es in Spitzenzeiten wie den Ferien schon mal 30, in der Regel allerdings höchstens 20 Hunde.

Bevor ein Hund in die Gruppe aufgenommen wird, werden erst Frauchen und Herrchen, später dann auch der Hund zu einem ausführlichen Gespräch mit Probestunde gebeten. Stimmt die Chemie, wird daraus meistens eine langjährige Freundschaft, mit dem Vierbeiner sowieso, aber meistens auch mit den Zweibeinern.

Und weil der Freundeskreis inzwischen ein riesiger ist, genießen Eika und Markus Hamann die seltenen Momente besonders, in denen sie mit ihren vier Hunden mal allein sind. Und auch die beiden Airdales, der Berger de Picardie und Australien Shepard Pixel sind froh, wenn mal kein Gast in ihrem Revier zugange ist.

Wobei Pixel das noch am wenigsten stören dürfte, denn der Hütehund hat eine Sonderstellung im Hause Hamann: Er schläft bei der jüngsten Tochter im Zimmer, in einem Schrank ohne Türen. Wobei sich Markus Hamann sicher ist, dass er gerne auch mal zu seinem jungen Frauchen ins Bett kriecht. Das wollten aber weder Tier noch Hamann-Tochter offiziell bestätigen! www.hunde-hof.de

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erstellt am 05.Aug.2014 | 21:30 Uhr

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