zur Navigation springen

Jahresversammlung : Die „Tafel“ wehrt sich gegen Kritik

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

16 Uhr am Finkenbrook in Uetersen. Im Flur der ehemaligen Berufsschule stehen Menschen dicht gedrängt. Wenn die Uetersener Tafel montags, mittwochs und freitags für jeweils zwei Stunden ihren Laden öffnet, warten die Kunden bereits.

Sie kommen aus Moorrege, Heidgraben, Neuendeich, Heist, Groß Nordende, Tornesch, Uetersen, einige sogar aus Elmshorn und Pinneberg. Rund 540 Menschen haben 2011 regelmäßig bei der Tafel eingekauft, ungefähr ein Viertel davon sind Kinder.

Das Angebot ist für sie unverzichtbar. Wie Kassenwart Robert Möller während der Jahreshauptversammlung des Trägervereins ausführte, leben 57 Prozent von Hartz-IV, fast 30 Prozent von einer geringen Rente oder Grundsicherung. 60 Mitarbeiter sind für sie im Einsatz. Drei davon arbeiten als Ein-Euro-Kräfte, die anderen unentgeltlich. Jeder leistete 2011 im Schnitt wöchentlich mehr als fünfeinhalb Arbeitsstunden. Gemeinsam bewegten sie mehr als 168 Tonnen Lebensmittel – so viel wie im Vorjahr. Mit zwei Fahrzeugen holten die Helfer Brot, Gemüse, Milch von Betrieben zwischen Rendsburg und Schenefeld ab. Rund 20000 Kilometer legten sie innerhalb von zwölf Monaten zurück. Am Finkenbrook geht die Ware zu einem günstigen Preis über den Tresen: Erwachsene zahlen pro gefüllter Tüte 50 Cent. Kinder kaufen kostenlos ein. Die Unterstützung für die Uetersener Tafel wächst. Das Warenangebot geht zwar teilweise zurück. Manch ein Supermarkt verkauft die Lebensmittel kurz vor Haltbarkeitsablauf günstiger, anstatt sie der Tafel zu geben. Allerdings traten dem Verein fünf Mitglieder bei. Er umfasst fast 180 Köpfe.

Jüngst stand die Arbeit der bundesweit 882 Tafeln aber in der Kritik. „Sie lindern Not, ohne ihre Ursachen zu bekämpfen“, sagte Hans-Jürgen Benedict, Theologieprofessor der Evangelischen Hochschule des Rauhen Hauses Hamburg, in einem NDR-Beitrag. Indem die Tafeln die skandalöse Ausgrenzung Armer erträglich machen würden, verfestigten sie die Armut. Sie dürften dem Staat deren Bekämpfung nicht abnehmen. Adolf Bergmann, Vorsitzender der Uetersener Tafel, wehrte sich. „Wir weisen durch unsere Arbeit auf Notlagen in unserer Gesellschaft hin und werden, wenn erforderlich, uns auch an Initiativen zur Überwindung solcher Notlagen beteiligen“, sagte er. Die Tafel wolle nicht ausgrenzen, sondern integrieren.

Bestes Beispiel dafür: Jeder Bürger ist eingeladen, das Café der Tafel, Finkenbrook 1, zu besuchen. Bei kostenlosem Kaffee und Kuchen können Menschen dort miteinander ins Gespräch kommen. Es ist montags, mittwochs und freitags von 14.30 bis 17.15 Uhr geöffnet.

zur Startseite

von
erstellt am 11.Apr.2012 | 20:54 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert