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Kommunale Abgabe : Die Rosenstadt ist bei der Erhebung der Hundesteuer einsame Spitze

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Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Warum wird ein Hund besteuert? Wie lange gibt es diese Form der Zwangsabgabe eigentlich schon? Die Antwort ist simpel: Die Steuer gibt es schon immer. Zumindest seit dem Mittelalter. Das Bundesfinanzministerium informiert darüber im Internet auf seiner Homepage:

shz.de von
erstellt am 28.Jan.2013 | 21:20 Uhr

In ost- und mitteldeutschen Quellen taucht demnach um 1500 erstmals ein „Hundekorn“ auf, das teilweise unter der Steuerbezeichnung „Bede“ in Form von Kornabgaben (Roggen, Gerste, Hafer) erhoben wurde. Es diente der Ablösung der Hundegestellungspflicht der Bauern im Rahmen von Jagdfrondiensten.

Im 19. Jahrhundert sind in den deutschen Einzelstaaten moderne Hundeabgaben hauptsächlich aus polizeilichen Gründen eingeführt und teils als Luxussteuer, teils als Nutzungsgebühr ausgestattet worden, informiert das Ministerium weiter. Unglücksfälle durch tollwütige Hunde bei Mensch und Tier bewogen das Großherzogtum Baden mit Erlass vom 13. Februar 1811, eine jährliche Hundesteuer einzuführen, um die übermäßige Anzahl der Hunde und damit die Gefahr zu minimieren. Denn man nahm an, dass, wer die Taxe entrichten kann, auch für die ordentliche Verpflegung sorgen könne. Die Hundesteuer soll vielfach dazu beitragen, die kommunalen Haushalte auszugleichen. Sie dient nicht, wie gerne vermutet wird, für die Straßenreinigung (denn dann wäre sie eine Gebühr).

Daneben verfolgt die Hundesteuer auch einen ordnungspolitischen Zweck, nämlich den, die Zahl der Hunde im Gemeindegebiet zu begrenzen.

In Uetersen wurde die Hundesteuer drastisch heraufgesetzt, entsprechend den Vorgaben des Landes, wie es heißt. Denn Uetersen gehört zu den sogenannten Konsolidierungsgemeinden, die von Dritten (Land und reiche Kommunen) Geld bekommen, wenn sie einen bestimmten Sparwillen nachgewiesen haben. Bekanntlich muss die Rosenstadt diesbezüglich noch nachbessern. Weitere 280000 Euro müssen strukturell eingespart werden, will die Stadt in den Genuss der Fördermittel in Millionenhöhe kommen (3,24 Millionen Euro). In Uetersen beträgt die jährliche Hundesteuer für ein Tier nun 110 Euro (ehemals 48 Euro), für den Zweithund werden 140 Euro (ehemals 78 Euro) verlangt, und jeder weitere Hund kostet den Halter 176 Euro (ehemals 114 Euro) im Jahr. Und in zwei Jahren wird’s noch teurer. Wie sieht es in den Nachbarkommunen aus? In Elmshorn beträgt die Hundesteuer 90 Euro (96 Euro Zweithund, 108 Euro Dritthund). In Wedel werden 72 Euro verlangt (96, 120 Euro). In Appen, Groß Nordende, Heidgraben und Heist betragen die Steuern 54, 78 beziehungsweise für das dritte Tier in einer Familie 102 Euro. In Holm werden 40, 60 beziehungsweise 80 Euro fällig. Die Hundesteuer in Moorrege beläuft sich auf 40 Euro für den Ersthund. 60 beziehungsweise 72 Euro kosten weitere Hunde. Neuendeich besteuert Hunde mit 40, 45 beziehungsweise 55 Euro. Uetersen ist also einsame Spitze in der gesamten Region. Und einen öffentlichen Hundeplatz gibt es bislang nicht. Das wird von Hundehaltern immer wieder beklagt. Inzwischen werden die Stimmen immer lauter, die einen solchen Platz fordern. Motto: Wer seine Hundesteuern so drastisch erhöht, sollte auch etwas für die Vierbeiner tun.

Die Hundesteuer ist zwar weit verbreitet in Deutschland. Aber zum Beispiel die Stadt Eschborn im Bundesland Hessen erhebt sie seit 1999 nicht mehr. Der Ertrag im Verhältnis zum Aufwand habe sich nicht gelohnt, heißt es dort. Und wie sieht es in anderen europäischen Ländern aus? In Dänemark gibt es seit 1972 keine Hundesteuer mehr. Frankreich hat die Hundesteuer 1979 abgeschafft, England im Frühjahr 1990. In beiden Ländern gibt es gemäß der Quellenlage weitaus mehr Hunde als in Deutschland. In Schweden wurde sie 1995 abgeschafft. In den folgenden Jahren wurde die Hundesteuer auch in Belgien, Spanien, Italien, Griechenland, Ungarn und Kroatien abgeschafft. In den Niederlanden allerdings kann eine Kommune eine Hundesteuer erheben, in Luxemburg besteht eine Verpflichtung dazu.

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