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Uetersener Nachrichten

21. Oktober 2017 | 20:16 Uhr

Zuwanderung : Die Moschee der Integration

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Vor dem Hintergrund des unverändert hohen Zuwanderungsdrucks wollen die Stadt und die türkisch-islamische Gemeinde Elmshorn ihre ohnehin enge Zusammenarbeit weiter vertiefen. „Wir wollen gemeinsam verhindern, dass sich die Flüchtlinge in Splittergruppen organisieren. Wenn wir das zulassen, verlieren wir den Zugang“, sagte Ali Evcil, Vorsitzender der Gemeinde.

shz.de von
erstellt am 22.Jan.2016 | 20:09 Uhr

Der Zuzug von Flüchtlingen stellt die türkische Gemeinde vor ähnliche Probleme wie die Stadt: Es mangelt an Platz. „Bislang gab es in Elmshorn etwa 5000 Muslime. Jetzt sind es 7000“, so Evcil. In der Folge ist während der Freitagsgebete jeder Platz in der Moschee besetzt. „Wir öffnen inzwischen alle Räume, und die Leute sitzen trotzdem noch auf dem Flur und im Treppenhaus.“

Bis zu 600 Betende hat er in Spitzenzeiten gezählt. Was sie verbindet, ist nicht selten ausschließlich die Religion. Für den Vorsitzenden der Gemeinde eine gute Grundlage, die er nutzen möchte, um die Schutzbedürftigen zu binden. Wäre da nicht die Sprachbarriere! Evcil und seine Mitstreiter verstehen kein Arabisch, viele der Zuwanderer verfügen aber weder über Englisch- noch über Deutschkenntnisse.

„Unser zentrales Anliegen ist es deshalb, den Flüchtlingen so schnell wie möglich Deutsch beizubringen.“ Bis dahin behelfe er sich mit einer Übersetzungsapp, die er sich auf das Handy geladen hat. So viel Engagement geht an Ali Evcil nicht spurlos vorbei, zumal er inzwischen auch nachts den einen oder anderen Anruf von hilfesuchenden Flüchtlingen bekommt. Großes Thema in der Gemeinde ist die Stellung der Frau in der deutschen Gesellschaft. „Auch auf diesem Gebiet leistet die türkische Gemeinde einen wichtigen Beitrag“, sagte Bürgermeister Volker Hatje, der die Integrationsarbeit von Ali Evcil und seinen Mitstreitern ausdrücklich lobte. Die Integration mit der Vermittlung deutscher Werte sei die nächste große Herausforderung.

Dass seine Gemeinde hierbei eine entscheidende Rolle spielt, steht für den Chef der Elmshorner Muslime fest. „Wenn die Stadt eine Veranstaltung für Flüchtlinge anbietet, kommen 20 Leute. Machen wir das, kommen 200“, sagte er. Dieses Potenzial will er nutzen, um die Bildung von muslimischen Splittergruppen zu verhindern. Andernfalls, so Evcil, steige die Gefahr, Flüchtlinge an die IS-Werber zu verlieren, auch im Kreis Pinneberg ein Thema. Die mehrmals im Jahr stattfindenden Abstimmungsgespräche zwischen der Stadt und der türkisch-islamischen Gemeinde gibt es bereits seit Hatjes Amtsantritt.

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