Gottesdienst am Sonntagabend : Die Kirche und die Konversion

4453454_800x826_55ad48ccae5dc.jpg

Nach Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte hat jeder Mensch „das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit. Dieses Recht schließt die Freiheit ein, seine Religion oder seine Weltanschauung zu wechseln, sowie die Freiheit, seine Religion oder seine Weltanschauung allein oder in Gemeinschaft mit anderen, öffentlich oder privat durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Kulthandlungen zu bekennen.“

shz.de von
20. Juli 2015, 21:13 Uhr

Doch diese Rechte sind nicht überall auf der Welt verbindlich. Die Skala reicht in der Praxis von völliger Toleranz bis hin zu massivster Repression. Auch die Tötung von Konvertiten ist zuweilen gängige Praxis.

In vielen islamischen Ländern ist die Konversion eines Muslims zu einer anderen Religion strafbar. Nach geläufigen Interpretationen der einschlägigen Koranverse wird in der Scharia dafür sogar die Todesstrafe angedroht. Auch in Uetersen leben Menschen, die, weil sie zum Christentum konvertierten, in ihrer Heimat Repressionen ausgesetzt wären. Diese Menschen, Flüchtlinge oder Asylanten, empfinden eine besonders starke Bindung zur Kirche. Der Gottesdienst am Sonntag gehört gerade für sie dazu. Pastorin Kirsten Ruwoldt von der Klosterkirchengemeinde kennt insbesondere mehrere Menschen aus dem Iran und aus Afghanistan, die ihre Religion gewechselt haben oder aufgrund ihres christlichen Glaubens in ihren Herkunftsländern verfolgt wurden. Diesen Menschen möchte die Gemeinde freundlich begegnen und hat daher schon einmal zu einem deutsch-persischen Gottesdienst in die Klosterkirche eingeladen. Ein solcher zweisprachiger Gottesdienst wird auch am kommenden Sonntag wieder angeboten. Von 19 Uhr an in der Klosterkirche an der Kirchenstraße. Gepredigt und gelesen wird auf Deutsch und Fārsī. Es handele sich dabei um eine sehr melodische Sprache, so die Pastorin, die herzlich zur Teilnahme einlädt.

Mit ihr gestalten werden den Gottesdienst, der die Willkommenskultur in Uetersen unterstreichen soll, mehrere Konvertiten, Kantorin Christiane Haar an der Orgel sowie Lektor Dr. Friedemann Albers. Das Thema lautet „Wer ist mein Bruder?“ und möchte die Praxis des geschwisterlichen Umgangs in der Welt hinterfragen.

Während des Gottesdienstes soll auf das Schicksal eines jungen Afghanen hingewiesen werden, der von der Abschiebung bedroht ist. Um seinen Härtefallantrag zu unterstützen, können die Gottesdienstbesucher eine Unterschrift leisten. Näheres dazu wird am Sonntag bekannt gegeben.

Im Anschluss an die Kirchzeit wird zu einer Tasse Chai (Tee) eingeladen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert