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Amt Moorrege : Die Hilfe für Flüchtlinge koordinieren

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

„Wir sind da vielleicht etwas blauäugig ran gegangen“, stellt Amtsvorsteher Walter Rißler fest. „Wir haben gedacht, das rüttelt sich zurecht.“ Denn ist die Unterbringung von Flüchtlingen ein schwieriges, aber bisher handhabbares Unterfangen, so beginnen danach erst die richtigen Probleme. Woher bekomme ich Geld? Wie funktioniert die Mülltrennung? Wie benutze ich einen Bus? Was mache ich, wenn ich zum Arzt muss oder Medikamente brauche?

Es gibt viele Fragen, die Asylbewerber haben und bei der Beantwortung schon sprachlich scheitern. Das Amt Moorrege hat deswegen jetzt einen ehrenamtlichen Flüchtlingskoordinator. Denn „unsere Mitarbeiter im Team Soziale Dienste können diese Aufgabe nicht bewältigen“, erklärt der Leitende Verwaltungsbeamte Rainer Jürgensen.

Mit Wolfgang Aschert hat ein Mann der ersten Stunde diese Aufgabe übernommen. „Ich betreute nicht die Flüchtlinge“, stellt der Heistmer klar, „ich betreue die Betreuer.“ Los ging es im Januar beim ersten Flüchtlingscafé in Holm im Gemeindezentrum Steinberge. Zahlreiche Helfer waren gekommen. Rißler hörte viele Fragen, auf die es keine Antworten gab. Er organisierte ein erstes Treffen im Februar für alle Ehrenamtler aus Holm, Moorrege und Heist, zu dem auch Bürgermeister und Pastoren kamen.

Die Idee des Koordinators war geboren, der dann während der Sitzung des Finanz- und Personalausschusses des Amtes – nun für alle sieben Gemeinden – „einstimmig und mit Freude“, so Jürgensen, von der Bürgermeisterrunde eingesetzt wurde.

Aschert verfügt „über ein Netzwerk von Kontakten“. Wichtig sind für ihn besonders die Diakonie in Tornesch sowie das Holmer Flüchtlingscafé. So ging es vor kurzem darum, einer Asylbewerberin ein Praktikum zu ermöglichen. Eigentlich dürfen sie nicht arbeiten, doch „wenn man die richtige Stelle kennt, ist die Genehmigung eines Praktikums gar kein Problem“, sagt er. Die Situation stellt sich in den Dörfern unterschiedlich dar. In Holm gebe es viele Helfer, so Aschert, in Heist eine handvoll, in Moorrege einen und in Appen fange es langsam an.

Jürgensen und Rißler hoffen, dass es auch durch die Unterstützung seitens des Koordinators weitere Menschen gibt, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren wollen.

Um den Kommunikationsfluss zu kanalisieren, meldet man/frau sich zuerst im Amt Moorrege bei Regina Klüver (Telefon 04122/854-120) oder Jennifer Jathe-Klemm (04122/854-121), wer Aschert unterstützen möchte oder sich ebenfalls engagieren will. Die Verwaltung gibt die Infos dann an den Koordinator weiter.

Kritik am Abschiebestopp

164 Flüchtlinge sind derzeit über das Amt Moorrege in 19 Immobilien sowie drei gemeindliche Schlichtwohnungen untergebracht. Sie kommen aus Syrien, Jemen, Iran, Irak, Afghanistan, Albanien und Eritrea. Der Leitende Verwaltungsbeamte Rainer Jürgensen geht davon aus, dass in diesem Jahr 300 Flüchtlinge hinzu kommen. Die Unterbringung in Containern ist aus seiner Sicht „das allerallerletzte Mittel“. Es könnte jedoch irgendwann ein Punkt erreicht sein, an dem es nicht mehr anders gehe.

Jürgensen, der auch Erster Stellvertretender Landesvorsitzender des schleswig-Holsteinischen Gemeindetags (SHGT) ist, kritisiert die Verteilung der Flüchtlinge auf Landkreise und Kommunen nach Einwohnerzahl. Der Kreis Pinneberg mit der kleinsten Fläche und dem teuersten Wohnraum müsste die größte Anzahl aufnehmen.

Aus seiner Sicht wäre es sinnvoll, auch die Fläche bei der Verteilung zu berücksichtigen. „Im Norden des Landes fallen einige Bereiche leer“, sagt der Spitzenbeamte mit Blick auf den demografischen Wandel. Die häufig gut ausgebildeten Flüchtlinge würden ein Potenzial darstellen, das genutzt werde könnte. Erkannt habe das als einer der wenigen der Goslarer Oberbürgermeister, der zusätzliche Flüchtlinge in die Stadt holt.

Eine eigene Meinung hat die Runde auch zum von Ministerpräsidenten Torsten Albig verkündeten Winterabschiebestopp. Der gelte auch für die offensichtlichen Wirtschaftsflüchtlinge, kritisiert Wolfgang Aschert. Wer nicht aus Ländern kommt, in denen Krieg und Verfolgung herrscht, sollte von der zentralen Stelle in Neumünster nicht an die Kommunen verteilt, sondern gleich wieder abgeschoben werden. Für Wirtschaftsflüchtlinge müsste Wohnraum zur Verfügung gestellt werden, der sonst von den anderen Asylbewerbern genutzt werden könnte.

Aus Balkanstaaten kommen Menschen, die hier überwintern und im Frühjahr wieder zurück gehen. Es gebe doch die Vernetzung, so Aschert, um diese Menschen zu identifizieren. Wer zum zweiten Mal einreist und als Flüchtling anerkannt werden will, sollte sofort abgeschoben werden.

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erstellt am 18.Mär.2015 | 20:27 Uhr

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