Auflösung des Männerchores Uetersen : Die Herren sagten Samstag „Tschüs“

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Die große Zeit des traditionellen Liedgutes ist wohl vorbei. Das bemerken auch immer mehr weltliche Chöre, denen die Sänger verloren gehen. Nachwuchs gibt es nicht. So ist irgendwann der Punkt erreicht, an dem es nicht mehr möglich ist, weiterzumachen. Das erfuhr zuletzt einer der ältesten Chöre Norddeutschlands, die Uetersener Liedertafel von 1840, die sich mangels Nachwuchses auflösen musste.

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21. Juni 2015, 17:39 Uhr

Und jetzt traf es den Männerchor Uetersen von 1888. Ein stolzes Alter, auf das die Männer zurückblicken können. Der Blick in die Zukunft jedoch war trüb. Bedingt durch Alter und gesundheitliche Gründe sank die Zahl der aktiven Sänger auf 14. Ein vernünftiger Übungsbetrieb und öffentliche Auftritte waren nicht mehr möglich.

So blieb dem Ersten Vorsitzenden des Chores, Rolf Hansen (Urenkel eines der Chorbegründer), nichts anderes übrig, als den Beschluss der Mitgliederversammlung umzusetzen und den Chor zum 30. Juni dieses Jahres aufzulösen.

Vor 127 Jahren war alles ganz anders in Uetersen. Kaiser und Könige hatten damals das Sagen. Es war das Jahr, in dem Theodor Storm seinen Schimmelreiter veröffentlichte, als 14 Uetersener Herren den „Sängerbund Uetersen“ durch Gründung ins Leben riefen. Zucht und Ordnung herrschten damals. So mussten sich alle Sänger verpflichten, zu jedem Übungsabend pünktlich zu erscheinen. Darauf wurde penibel geachtet.

Die Chorarbeit überstand beide Weltkriege, öffentliche Konzerte waren der „Renner“. Die Männer kamen an im Volk. Bis zu 50 Tenöre und Bässe tummelten sich zuweilen auf der Konzertbühne, doch der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Not das bestimmende, auslösende Moment für Gemeinschaft war, folgten andere Zeiten, verbunden mit stetig sinkendem Interesse.

Der 100. Geburtstag konnte 1988 noch gefeiert werden. Mit Festball und Konzert in der Großen Stadthalle, und auch die Deutsche Einheit überstand der Männerchor Uetersen von 1888 unbeschadet. Vielmehr darf sogar von einer kurzen, fruchtbaren Renaissance gesprochen werden, als sich nämlich der Uetersener und der Wittstocker Männerchor zusammentaten und diese Partnerschaft bis zuletzt pflegten. Doch das grundsätzliche sinkende Interesse an der Chorarbeit lebte fort.

Es gelang nicht, „junges Blut“ einzubinden. Noch einmal konnte ein Jubiläum gefeiert werden, 2013 jährte sich das Gründungsdatum zum 125. Mal. Mit der Auflösung verbunden ist auch die Liquidierung der Vereinskasse. 500 Euro blieben übrig im Topf. Dieses Geld wurde gestern Nachmittag der Fördergemeinschaft „Rosenkinder“ übergeben. Deren Mitglieder hatten sich zur Jahresversammlung getroffen.

Mit dem Geld kann in Sri Lanka, dort unterstützt der Verein Kinder und Jugendliche, vielfältig und effektiv geholfen werden.

Dieter Kaske, der Vorsitzender der „Rosenkinder“ dankte im Namen aller Mitglieder und der geförderten Heranwachsenden für diese Sonderzuwendung herzlich.

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