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Sozialverband : „Die Gesellschaft driftet immer weiter auseinander“

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Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Eine steigende Anzahl älterer Menschen, die noch dazu Grundsicherung beziehen, steigende Mieten und Nebenkosten im Kreis Pinneberg und die unzählig bestehenden prekären Arbeitsverhältnisse sorgen heute und in den kommenden Jahren für weiterhin steigende Altersarmut.

So sieht es der Sozialverband Deutschland. Zunehmende Altersarmut weitet sich auch im Kreis Pinneberg immer mehr aus. Die aktuellen Zahlen des Kreises belegen, dass derzeit 1991 Menschen Grundsicherungsleistungen beziehen, was rund drei Prozent der im Kreis lebenden Bevölkerung ausmacht. Und dabei ist eine hohe Dunkelziffer von Menschen, die aus Scham den Gang zum Sozialamt meiden, noch nicht einmal eingerechnet. Experten rechnen mit einem deutlichen Anstieg der Zahlen bis zum Jahr 2025. Die jährlichen Kosten für die Gesellschaft sind dabei nicht zu vernachlässigen: 14914000 Euro zahlte der Kreis Pinneberg im Jahr 2010 für Aufwendungen der Grundsicherung. Gleichzeitig weisen immer mehr Wohnungen einen hohen Modernisierungsbedarf auf, da viele Wohnungen aus den 50er und 60er Jahren stammen, die den heutigen Anforderungen an Barrierefreiheit und energieeffizienter Bauweise nicht mehr entsprechen.

„Wir weisen seit Jahren immer wieder auf die Probleme hin, passiert ist aber noch nicht sehr viel“, erzählt Heike Lorenzen, Vorsitzende des Kreisverbandes Pinneberg im Sozialverband Deutschland. Ihre Forderungen bleiben die gleichen: Einführung eines gesetzlichen Mindestlohnes, Abschaffung aller prekären Beschäftigungsverhältnisse wie Mini-Jobs oder Kurzarbeit und den Wegfall von befristeten Arbeitsverhältnissen. „Die soziale Schieflage im Land verschärft sich immer mehr. Ein Mindestlohn von 10,20 Euro garantiert, dass jeder Arbeitnehmer ohne staatliche Transferleistungen leben kann“, erklärt Lorenzen. Gleichzeitig kämpft der Sozialverband dafür, wieder mehr in den sozialen Wohnungsbau zu investieren. „Das Problem, dass es immer weniger bezahlbaren Wohnraum gibt, sowohl für junge als auch alte Menschen, muss die Politik in den Griff bekommen.“

Ein Weckruf, den SPD-Kreischef Hannes Birke gerne aufnimmt, aber auch er weiß, dass die Möglichkeiten des Landes durch die enge Finanzlage arg begrenzt sind: „Wir haben in unser Landtagswahlprogramm, was auch ein Regierungsprogramm sein wird, die Frage nach sozialem Wohnungsbau aufgenommen.“ Konkrete Maßnahmen jedoch, was eine unter Führung der SPD stehende Landesregierung anpacken werde, konnte Birke nicht benennen.

Heike Lorenzen kennt das Problem vieler Politiker, mit denen sie im Laufe der Jahre immer wieder gesprochen hat: „Die Politiker wollen gern, aber es scheitert meist an der Umsetzung.“

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erstellt am 02.Nov.2011 | 20:04 Uhr

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